Kurzmitteilung

Zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode

Die von Papst Franziskus einberufene sog. „Amazonas-Synode“ hat am 27. Oktober 2019 ihre Ergebnisse vorgelegt. Es ging dabei um Fragen der Ökologie und der Seelsorge. Wir dokumentieren die Beschlüsse zu neuen Formen der Seelsorge, die besonderes Aufsehen erregt haben. Dabei ging es u. a. um das Frauen-Diakonat und die Frage der Priesterweihe verheirateter Männer.

Vom 6.- 27. Oktober 2019 tagte im Vatikan unter dem Thema „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ sie sog. Amazonas-Synode. Es handelt sich um ein Treffen von Bischöfen, Kardinälen, Ordensleute und Experten, darunter auch Vertreter indigener Völker. Es gab 185 stimmberechtigte Mitglieder, 25 Experten, 55 Auditoren (Hörer) und zwölf „invitati speciali“ (besondere Gäste).

Amazonien umfasst ein Gebiet von 7,5 Millionen Quadratkilometern der neun Länder Brasilien, Peru, Venezuela, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Französisch-Guayana, Guayana und Surinam.

Thematisch ging u. a. unter anderem um Umweltschäden im Amazonas-Gebiet und deren soziale Folgen sowie neue Fragen der Seelsorge. Die Arbeit fand in Kleingruppen und Plenumsdebatten statt, an denen auch Papst Franziskus teilnahm. Das Schlussdokument wurde Papst Franziskus ausgehändigt wird. Die Beschlüsse dienen als Empfehlungen für den Papst, sind aber nicht bindend.

Das vollständige Abschlussdokument (bisher nur in spanischer Sprache) finden Sie hier.

Besonderes Aufsehen erregten die Beschlüsse der Synode zu neuen Formen der Seelsorge. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentierte die betreffenden Abschnitte des Schlussdokuments in einer eigenen Übersetzung:

„86. Um gemeinsam voranzugehen, benötigt die Kirche einen synodalen Wandel, eine Synodalität des Volkes Gottes im Geiste des Amazonasgebiets. Mit diesem Horizont der Gemeinschaft und der Teilhabe suchen wir nach neuen Wegen, vor allem bei der Frage der Ämter und der Sakramentalität der Kirche mit amazonischem Antlitz. Die geweihten Personen, die Laien und unter ihnen die Frauen sind die alten und stets neuen Gestalten, die uns zu dieser Umkehr aufrufen.

95. Obwohl die Weltmission Aufgabe aller Getauften ist, hat das Zweite Vatikanische Konzil die Mission der Laien in der Vordergrund gerückt: „die Hoffnung auf eine neue Erde muss vorher, ohne Unterlass, das Streben nach einer Vervollkommnung dieser Erde vorantreiben“ (Gaudium et spes, Kapitel 39). Für die Kirche im Amazonasgebiet ist es dringend notwendig, dass Ämter für Frauen und Männer in einer angemessenen Weise gefördert und verliehen werden.
Das Wirken der Ortskirche gründet auf den kleinen kirchlichen Missionsgemeinden, die den Glauben verbreiten, das Wort Gottes hören und gemeinsam, nahe bei den Menschen, Gottesdienst feiern. Es ist eine Kirche der getauften Männer und Frauen, die wir stärken müssen, indem wir die kirchlichen Ämter und, vor allem, das Bewusstsein für die Würde der Getauften fördern.

96. Darüber hinaus kann ein Bischof, im Rahmen eines zeitlich befristeten Mandats, falls Priester in den Gemeinden fehlen, die Ausübung des Seelsorgeauftrags einer Person ohne Priesteramt anvertrauen, die Mitglied der betreffenden Gemeinde sein soll. Es gilt dabei, die Konzentration auf Personen zu vermeiden, weshalb die Aufgabe rotierend vergeben werden soll. Der Bischof kann dieses Amt in Vertretung der christlichen Gemeinde mithilfe eines rituellen Aktes mit einem offiziellen Mandat versehen, damit die verantwortliche Person auch von den Behörden anerkannt wird. Der Priester bleibt stets, mit den Befugnissen und Fähigkeiten eines Pfarrers, für die Gemeinde verantwortlich.

103. In vielfältigen Beratungen in der Amazonas-Region wurde die fundamentale Rolle der Ordensfrauen und anderer Frauen in der amazonischen Kirche und ihren Gemeinden angesichts ihrer vielfältigen Dienste anerkannt und unterstrichen. In vielen der genannten Beratungen wurde ein Ständiger Diakonat für Frauen gefordert. Daher war das Thema auch bei der Synode sehr präsent. Papst Franziskus hat 2016 eine Studienkommission über das Diakonat der Frau eingesetzt.
Diese Kommission kam zu einem Teilergebnis über die Realität des Frauendiakonats in den ersten Jahrhunderten der Kirche und die Implikationen für heute. Deshalb würden wir gerne unsere Erfahrungen und Überlegungen mit dieser Kommission teilen und wir erwarten ihre Ergebnisse.

111. Viele Gemeinden im Amazonasgebiet haben enorme Schwierigkeiten, Zugang zur Eucharistie zu erhalten. Manchmal vergehen nicht nur Monate, sondern sogar Jahre, bevor ein Priester eine Gemeinde besuchen kann, um dort die Eucharistie zu feiern, das Beichtsakrament zu spenden oder die Kranken zu salben. Wir schätzen den Wert des Zölibats als ein Geschenk Gottes (Sacerdotalis Caelibatus Kapitel 1), insofern dieses dem Priester im missionarischen Einsatz erlaubt, sich ganz dem Dienst am Heiligen Volk Gottes widmen. Dies fördert die seelsorgerische Hingabe, und wir beten dafür, dass es viele Berufungen gibt, die das ehelose Priestertum leben.
Wir wissen, dass diese Disziplin „zwar nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert ist …, der Zölibat jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen ist“ (Presbyterorum Ordinis Kapitel 16). (…) In Anbetracht der Tatsache, dass die legitime Verschiedenheit die Gemeinschaft und Einheit der Kirche nicht beschädigt, sondern das, was sich in der Pluralität der existierenden Riten und Ordnungen zeigt, die Einheit unterstreicht und ihr dient, schlagen wir vor: Die zuständige Autorität gemäß Lumen Gentium Kapitel 26 möge Kriterien und Voraussetzungen schaffen, um geeignete und von der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern zu weihen. Sie sollten bereits ein fruchtbares Diakonat und eine Ausbildung zum Priesteramt absolviert haben und sie sollten eine legitime und stabile Familie beibehalten können. Auf diese Weise sollen sie das Leben der christlichen Gemeinde durch die Verkündigung des Wortes und die Feier der Sakramente in den entlegensten Zonen des Amazonasgebiets aufrechterhalten. In dieser Hinsicht haben sich einige dafür ausgesprochen, dieses Thema auch auf weltkirchlicher Ebene zu behandeln.“

 

 

Eine Antwort zu “Zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode

  1. Maria-Theresia Zilling

    Ich fände es wunderbar, wenn endlich Frauen zum Diakonat und verheiratete Männer zum Priestertum zugelassen würden. Der heilige Franziskus hat damals neue Wege beschritten und konnte am Ende den Papst überzeugen. Unser jetziger Papst hat den Namen dieses Heiligen gewählt. Nomen est omen!

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