JUGEND BRAUCHT PERSPEKTIVE IN EUROPA

Bischof Stefan Oster plädiert für ein gerechtes und solidarisches Europa, das auch als geistiges Lebensraum gerade für junge Menschen erfahrbar wird.

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Stefan Oster

Jugend braucht Perspektive in Europa

Wer am 26. Mai sein Kreuzchen macht, wählt mehr als nur Personen oder Parteien, Gesetze oder Programme. Sie oder er wählt eine europäische Perspektive. In Anbetracht der wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Entwicklungen in Europa nimmt die Bedeutung von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Austausch zu. Aufgrund des demografischen Wandels werden insbesondere Fragen der intergenerationellen Solidarität und der Migration die zukünftigen politischen Diskurse bestimmen.

Die Europäische Gemeinschaft ist also schon längst keine reine Wirtschafts- oder Währungsunion mehr, sie muss auch als geistiger Lebensraum für junge Menschen erfahrbar werden. Aus dem Selbstverständnis der katholischen Jugendarbeit heraus, wollen junge Menschen – getragen vom Evangelium – an einem gerechten und solidarischen Europa mitbauen.

Kirchliche Jugendarbeit leistet dazu ihren Beitrag, indem sie jungen Menschen die europäische Idee näher bringt und ihren Anliegen auf europäischer Ebene eine Stimme gibt. Dabei geht es darum, aus christlicher Verantwortung ein zukünftiges Europa zu gestalten, einen katholischen Beitrag zur Gestaltung einer demokratischen Zivilgesellschaft zu leisten und Solidarität, Subsidiarität, Verantwortung, Gemeinwohl und Nächstenliebe in die weitere Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einzubringen.

Mobilität als Erfolgsfaktor

Lernerfahrungen durch Auslandsaufenthalte werden für die (berufliche) Sozialisation junger Menschen immer wichtiger. So wirkt sich grenzüberschreitende Mobilität positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Sie trägt zu einer Steigerung der fremdsprachlichen und interkulturellen Kompetenzen bei ebenso wie zur Ausbildung von Selbstständigkeit, Team- und Konfliktlösungsfähigkeit. Wer einmal über den Tellerrand blickt, nimmt anschließend auch seine gewohnte Umgebung anders wahr.

Allen voran ist es die EU selbst, die zur grenzüberschreitenden Mobilität Stellung bezieht und entsprechenden Ziele formuliert. Mit der EU-Jugendstrategie möchten die EU-Mitgliedsstaaten den jugendpolitischen Rahmen für eine möglichst umfassende Teilhabe und das Engagement aller jungen Menschen schaffen.

Doch nicht alle Jugendlichen haben die gleiche Chance, an Mobilitätsprogrammen der Internationalen Jugendarbeit teilzunehmen. Gerade für sozial benachteiligte Jugendliche ist Europa oft zu weit weg und zu negativ besetzt. Diese Erkenntnisse nimmt der 12. Josefstag1 mit dem Motto: „Hände reichen. Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ in den Blick.

Bislang sind nur wenige Einrichtungen auf eine europäische und internationale Öffnung ihrer Angebote ausgerichtet. Die Praxiserfahrung zeigt: Es sind die Rahmenbedingungen, die es benachteiligten Jugendlichen schwer und Trägern und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit teilweise unmöglich machen, Mobilitätsangebote umzusetzen. Organisatorische, finanzielle und strukturelle Hürden sind für Träger, Mitarbeitende und Jugendliche eine große Herausforderung. Wer seine Arbeit international ausrichten will, muss die Mitarbeitenden entsprechend qualifizieren. Doch das erfordert Angebote, zeitliche und finanzielle Ressourcen.

Integration sozial benachteiligter Jugendlicher

Die gerechte Integration junger Menschen in Gesellschaft und Arbeitswelt bildet eine der zentralen Herausforderungen für Europas Zukunft. In diesem Sinne gilt es insbesondere junge Menschen zu unterstützen, die von Benachteiligung betroffen, bzw. auf Hilfe angewiesen sind. Jugendsozialarbeit und Jugendhilfe kann nicht mehr nur regional oder national gedacht werden. Auch politische Entscheidungen auf europäischer Ebene wirken sich zunehmend auf sie aus. Grenzüberschreitende Mobilität ist ein Aspekt des Rechts auf gesellschaftliche Teilhabe und muss allen jungen Menschen gleichermaßen ermöglicht werden. Das erreichen wir durch eine Öffnung der Jugendsozialarbeit in ihren Strukturen und Maßnahmen.

Einrichtungen der Jugendsozialarbeit befähigen junge Menschen, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen und sich in demokratische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse einzubringen. Denn sie nehmen sich der benachteiligten jungen Menschen an und leisten einen unverzichtbaren Beitrag, indem sie individuell auf die jungen Menschen eingehen, um ihnen gerecht zu werden.

Hände reichen – Brücken bauen! Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 haben wir es in der Hand, demokratische Parteien zu wählen, um für diese Werte einzustehen.

 

Bischof Dr. Stefan Oster SDB (1965) ist Bischof von Passau und Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. In dieser Funktion eröffnet er den jährlich stattfindenden Josefstag. Der Josefstag ist ein bundesweiter, dezentraler Aktionstag, der auf die wichtige Arbeit in Einrichtungen der Jugendsozialarbeit, insbesondere der Jugendberufshilfe, in katholischer Trägerschaft aufmerksam macht. http://www.josefstag.de

1 Der heilige Josef ist Schutzpatron der Arbeiter und Jugendlichen. Der Josefstag ist eine Aktion des „arbeit für alle e.V.“, einer Initiative des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. Einrichtungen der katholischen Jugendsozialarbeit in Deutschland laden kirchliche Amtsträger, Politikerinnen und Politiker sowie gesellschaftliche Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger ein. Dabei sind die Gäste gemeinsam mit den Jugendlichen aktiv. Einen Überblick über die bundesweiten Aktionen gibt es unter www.josefstag.de.

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