Kurzmitteilung

Bischof Bonny zur Bischofsynode über die Familie

Der Bischof von Antwerpen Johan Bonny hat mit seiner Antwort auf eine Frageliste des Vatikan einen bemerkenswert offenen Beitrag zur Bischofssynode veröffentlicht, zu der der Papst vom 5.-19. Oktober nach Rom eingeladen hat. Sie befasst sich mit dem Thema „Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“..

Hier können Sie den gesamten, sehr anregenden Text (26 Seiten) des Bischofs von Antwerpen Johan Bonny unter dem Titel „Die Bischofssynode über die Familie – Erwartungen eines Dizösanbischofs“ ausdrucken.

Hier werden  einige Auszüge aus acht Kapiteln wiedergegeben

1. Die Kollegialität

„Während des Zweiten Vatikanischen Konzils bemühten sich die Bischöfe zusammen mit dem Papst um einen größtmöglichen Konsens. Alle Konzilsdokumente wurden hin und her überlegt, geschrieben und neu geschrieben, bis fast alle Bischöfe ihre Zustimmung geben konnten. …
Von dieser Art Kollegialität blieb allerdings drei Jahre später, bei der Veröffentlichung von „Humanae Vitae“ nur sehr wenig übrig. Dass der Papst ein Urteil zu den Problemen ‚Bevölkerung, Familie und Geburten‘ fällen sollte, war vom Konzil vorgesehen. Dass er dabei das kollegiale Bemühen um einen größtmöglichen Konsens beiseitelassen sollte, war vom Konzil nicht vorgesehen. Formell traf Paul VI. seine Entscheidung zweifellos nach bestem Wissen und Gewissen, in besonders ausgeprägtem Bewusstsein seiner persönlichen Verantwortung vor Gott und der kirchlichen Gemeinschaft. Inhaltlich stand seine Entscheidung allerdings quer zu dem Votum der Expertenkommission, die er selbst ernannt hatte, der Kardinals- und Bischofskommission, die sich mit dieser Frage befasst hatte, des Weltkongresses der Laien (1967), der großen Mehrheit der Moraltheologen, Ärzte und Wissenschaftler sowie der meisten engagierten Katholiken, sicher derer bei uns.“

2. Das Gewissen

Über die innerkirchliche Debatte nach „Humanum Vitae“:
„Als Folge dieser Polarisierung wurde das Gewissen im kirchlichen Sprechen über Beziehung, Sexualität, Ehe, Familienplanung und Geburtenkontrolle auffällig in den Hintergrund gedrängt. Es büßte seinen legitimen Ort in einem gesunden moraltheologischen Nachdenken ein. …
Was erwarte ich von der kommenden Synode? Dass sie dem Gewissen seinen rechtmäßigen Ort im Sprechen der Kirche zurückgibt, …“

3. Die Lehre

„Manche erwecken den Eindruck, die Synode werde nur über die Anwendung der Lehre sprechen können, nicht aber über ihren Inhalt. Diese Gegenüberstellung von ‚Pastoral‘ und ‚Lehre‘ scheint mir aber zu kurz gegriffen, sowohl in pastoraler wie theologischer Hinsicht. Sie kann sich nicht auf die Tradition der Kirche berufen. Pastoral hat ganz und gar mit Lehre zu tun, und Lehre ganz und gar mit Pastoral. Beide werden bei der Synode auf die Tagesordnung kommen müssen, wenn die Kirche neue Wege für die Evangelisierung von Ehe und Familie in unserer Gesellschaft öffnen möchte.“

4. Die Kirche als Weggefährtin

„Ich möchte nur die Komplexität des veränderten Kontexts deutlich machen, in dem sich heute Beziehung, Ehe und Familie abspielen und der Erwartung, die viele nach wie vor an die Kirche als ‚Weggefährtin“ haben. Was erhoffe ich mir dann von der Synode? Dass sie keine platonische Synode wird. Dass sie sich nicht auf das sichere Eiland der lehrmäßigen Diskussionen oder allgemeinen Normen zurückzieht, sondern die konkrete und komplexe Lebenswirklichkeit in den Blick nimmt.“

5. „Regelgerechte“ und „unregelmäßige Situationen

„Im gleichen Kontext habe ich mehrfach feststellen müssen, wie anstößig die Sprache der Kirche gegenüber bestimmten Personen oder Situation wirken kann. Wer sich mit Menschen in ein Gespräch begeben will, muss sich davor hüten, ethische Qualifizierungen zu verwenden, die zur gelebten Wirklichkeit quer stehen und deshalb sehrt herabsetzend klingen. Viele unserer kirchlichen Dokumente brauchen an diesem Punkt dringend eine Revision. Wenn ich mit Menschen rede, kann ich bestimmte Formulierungen aus kirchlichen Dokumenten nicht verwenden, ohne sie ungerechtfertigt zu beurteilen, sie tief zu verletzen oder ihnen ein falsches Bild von Kirche zu vermitteln.“

6. Wiederverheiratete Geschiedene

„Auch wiederverheiratete Geschiedene brauchen die Eucharistie, um in der Verbundenheit zu Christus und der kirchlichen Gemeinschaft zu wachsen und um als Christen in der neu entstandenen Situation ihre Verantwortung wahrzunehmen. Über ihre geistliche Not und über ihre Bitte, die Eucharistie als ‚Mittel der Gnade‘ zu empfangen, kann die Kirche nicht einfach hinwegsehen.“

7. Die Verkündigung des Evangeliums

„Wenn viele heute einen Mangel an der Kirche empfinden, geht es um die Klarheit ihrer Prägung durch Jesus Christus. Sie tun sich schwer damit, in der Haltung der Kirche gegenüber Menschen von heute die Haltung Jesu gegenüber Menschen von damals wieder zu erkennen. Dabei schauen sie vor allem auf den Bereich Liebe, Beziehung, Sexualität, Ehe und Familie. Darüber muss man sich nicht wundern. Es ist der Bereich, der ihnen am meisten am Herzen liegt und in dem sie das größte Glück oder den größten Kummer erleben. Gerade in diesem Bereich muss die Kirche ihre defensive und antithetische Orientierung überwinden und sich neu um den Weg des Dialogs bemühen. Sie muss es neu wagen, vom ‚Leben‘ auf die ‚Lehre‘ zuzugehen.“

8. Eine herausfordernde Synode 

„Mit den oben stehenden Überlegungen möchte ich der Synode nicht vorgreifen, noch weniger jemand bevormunden. Ich will zu der notwendigen Offenheit und Gesprächsbereitschaft aufrufen. Wer Einwände formuliert oder Vorschläge macht, muss sich auch selber in Frage stellen und korrigieren können. Wir haben ja gegenseitig viel voneinander zu lernen und voneinander zu empfangen, auch und vor allem in einer Kirche, die „Haus und Schule der Gemeinschaft“ sein möchte.“

 

 

Eine Antwort zu “Bischof Bonny zur Bischofsynode über die Familie

  1. Nur ganz allgemein : Ein bedeutender Theologe des 20. Jahrhunderts
    schrieb: Kirche sollte sein in der Zeit, für die Zeit, aber nicht mit der Zeit.
    Also: modische Zeitströmungen sind nicht wichtig. Aber gesellschaftliches Gedankengut ist im Lichte des Glaubens zu deuten und nicht als
    irrelevant abzutun. Sondern sich wirklich damit auseinanderzusetzen.
    Noch 2 Zitate: Zeitenstimmen sind Gottesstimmen. Es ist zu trennen
    zwischen Zeitgeist und Geist der Zeit. Und ein Nachsatz: Wird die
    Einleitung zu „Gaudium et spes“ von Entscheidungsträgern der Kirche ernst genommen?

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