WENN DER MENSCH LACHT, IST ER LEICHT WIE EIN ENGEL

Willibert Pauels schreibt zum Auftakt der Karnevalswoche über Humor, Religion und Politik.

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

Willibert Pauels

WENN DER MENSCH LACHT, IST ER LEICHT WIE EIN ENGEL

Ich bin katholischer Diakon und Kölner Büttenredner. Und jetzt dürfen Sie raten, welche Frage jeder Journalist und überhaupt fast Jeder, dem ich davon zum ersten Mal erzähle, fragt. Richtig: „Passt das denn zusammen?“ – Meine Antwort ist stets dieselbe: „Es  ist nicht nur kompatibel, sondern es ist im Innersten dasselbe.“ Und an diesem Ort erweitere ich die Bereiche noch um das Feld der verantwortlichen Politik. Wie das?

Nun: Mein „Lieblings“-Theologe ist einer der größten Genies der Geschichte und natürlich ein Rheinländer (ich gebe zu „erweitertes Rheinland“; er kommt von der Mosel): Geboren im Jahr des Herrn 1401 in Kues – Nicolaus Cusanus, Namensgeber der Begabtenstiftung  der katholischen Kirche, unter dessen Namen so gegensätzliche politische Charaktere wie Annette Schavan und Oscar Lafontaine gefördert wurden. Dieser große Denker schuf den unglaublichen Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „Gott ist der Zusammenfall aller Gegensätze.“

Wenn verschiedene Bilder in einem Bild zusammenfallen sind wir dem tiefsten Geheimnis des Universums, dem Göttlichen am Nächsten. Auf Griechisch heißt das:  „Sym-bolisch“. Ein Begriff, den wir alle kennen. Aber auch das Gegenteil davon ist uns in der griechischen Sprache geläufig: Wenn Bilder getrennt werden heißt das: „Dia-bolisch“

Zusammenführen ist  göttlich, Spalten ist teuflisch. In dieser Erkenntnis verbirgt sich, so glaube ich, das innerste Wesen gesunder  Religion und des Humors – ja und auch  kluger und guter Politik.

Das heißt keinesfalls irenistische political-correctness: Nein –  fairer Streit macht Spaß und ist gesund. Aber es bedeutet, dass im Letzten nicht die Spaltung, sondern der Geist der Versöhnung und der Liebe Urgrund all meiner Handlung und Haltung sein soll.

Der letzte noch lebende  Priester aus dem  KZ Buchenwald, ist der Westfale Monsignore Scheipers, mit seinen über 90 Lebensjahren noch voll geistig präsent und ein wunderbarer Mensch. Auf die Frage, wie er die Hölle von Buchenwald innerlich überlebt hat, antwortet er stets: „Ich habe dies einem Satz von Romano Guardini zu verdanken, nämlich: „Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten.““

Der Mensch hat eine Seele, und die Seele ist kostbarer als das ganze Universum, deshalb kann NICHTS, weder Qual noch Krankheit, weder Folter noch Tod die Seele zerstören. Wenn dies wahr ist, dass nicht die Hölle von Golgotha das letzte Wort hat, sondern der Himmel von Ostern, dann, ja dann kann diese Botschaft unsere Seele mit tiefster Gelassenheit erfüllen. Das innerste Wesen gesunder Religion ist Trost.

Der griechische Philosoph Epiktet sagte: „Es sind nicht die Dinge die uns unglücklich machen, sondern wie wir die Dinge sehen.“ Das Entscheidende ist die Perspektive. Welche Perspektive bestimmt unserer Leben und Handeln? Die tröstende österliche oder die von der Richard Dawkins, dem z. Zt. populärsten atheistischen Autor. Er sagt: “… hinter unserem Leben hinter dem Universum ist KEIN Plan, KEINE  Absicht, KEIN  Gut oder Böse, KEIN  Gott, NICHTS  außer blinder, erbarmungsloser Gleichgültigkeit.“  Na dann herzlichen Glückwunsch und Willkommen im Leben.

Der größte Ausdruck innerer Gelassenheit und Geborgenheit ist der Humor. Ideologen und Fundamentalisten erkennt man untrüglich an einem Symptom: Sie können nicht über sich selber lachen. Stattdessen sind sie permanent beleidigt. In diesem Sinn hat der jüdische Humor unangefochten Meisterschaft erlangt. Und ich vermute, nicht obwohl, sondern WEIL die jüdische Geschichte voller Leid und Qual ist. (ich empfehle hierzu das herrliche Büchlein: „Jetzt mal Tacheles , die jüdischen Lieblingswitze von Paul Spiegel“ herausgegeben von seinen Töchtern Dina und Leonie Spiegel).

Ach, wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass während der unsäglich ideologisch-verbissenen Diskussion zum Thema Beschneidung entsprechende jüdische Witze zum selben Thema zu Gemüte geführt worden wären! Nur zwei Beispiele, wohlgemerkt jüdische Witze.

„Ein Mann betritt ein jüdisches Geschäft dessen Schaufenster über und über mit Uhren ausgestellt ist: „Guten Tag, ich hätte gerne eine Uhr“. – “ Oh tut mir leid“, sagt der Besitzer, “wir führen keine Uhren.“ –  „Was?? Aber ihr Schaufenster ist voll davon!“ – „Nu – Was soll ich auslegen? Ich mache Beschneidungen!“

Oder: „Ein evangelischer Pastor, ein katholischer Priester und ein jüdischer Rabbi haben die Aufgabe einem wilden Bären in dessen Höhle ihre jeweilige Religion näher zu bringen. Als Erster wagt sich – Avantgarde wie immer – der Evangelische in die Höhle.  Kommt raus und ist begeistert. „Ich habe ihm Konfirmationsunterricht erteilt und anschließend haben wir das Vater unser gebetet!“ Nun der Katholische. Kommt raus und ist begeistert. „Ich habe im Kommunionsunterricht erteilt und anschließend hat er bei mir gebeichtet.“ Nun der Rabbi: Kommt raus. – Oh! – Haare rausgerissen, blutend  und die Kleider in Fetzen vom Leib: „Nu – wir haben zusammen das Halleluja gesungen. Aber ich hätte es lassen sollen mit der Beschneidung!“

Is dat nich herrlich?!  Welch eine Grandezza! Welch eine Leichtigkeit! Welch eine Gelassenheit!

Thomas von Aquin sagt. „Im Menschen ist das Tier und der Engel zugleich.“ Gesunde Religion, befreiender Humor und gute Politik helfen das Tier in uns einzuhegen und den Engel in uns tanzen zu lassen!

In diesem Sinne: Alaaf – Helau und Halleluja.

Ihr bergischer Jung

Willibert Pauels 

 

Willibert Pauels (1954) studierte er Katholische Theologie in Bonn und Münster, zunächst mit dem Ziel, Priester zu werden. Weil zwar er, aber seine „Hormone nicht wollten“ (Pauels), wurde er nach dem Diplom „Laientheologe“ und 1993 zum katholischen Diakon geweiht. 1975 trat er erstmals auf einer Karnevalssitzung seiner Heimatstadt auf, 1995 wurde er für den Kölner Karneval entdeckt und wurde bald als „Ne bergische Jung“ einer der populärsten und erfolgreichsten rheinischen Büttenredner. Bis November 2006 war Pauels als Diakon in verschiedenen Pfarrgemeinden hauptamtlich tätig, seit 2006 ist er „hauptberuflicher DiaClown mit Nebenberuf Diakon“. Nach einer Klinikbehandlung wegen schwerer Depressionen will er demnächst wieder eine hauptamtliche Stelle als Diakon antreten.

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