Ein Bild

Sr. Philippa Rath

Seit gestern macht in den sozialen Netzwerken ein Foto von der momentan stattfindenden Herbstvollversammlung in Fulda die Runde: im linken Kirchenschiff des Doms sitzen die Bischöfe als großer schwarzer Block, im rechten mutterseelenallein in grüner Jacke Beate Gilles, Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Egal wie man das Bild deutet und kommentiert – „Hirtin ohne Herde“, „Weiberabstand“, „Die Hoffnung sitzt abseits … und ist weiblich“ – es ist ein erschütterndes, zumindest aber befremdliches Symbol.

Kein Wunder, dass das Foto schon 30 Minuten nach Veröffentlichung von der Facebookseite der DBK wieder verschwand. Aber da war es schon zu spät und das Bild tausendfach im Netz verbreitet. Immerhin hat man(n) bemerkt, wie verheerend der Eindruck ist, der damit transportiert wird. Aus Erfahrung nichts gelernt? Als ob die vierte Synodalvollversammlung nicht vor gerade mal drei Wochen den Grundtext des Forums III „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ mit überwältigender Mehrheit, auch der Bischöfe, verabschiedet hätte. In ihm wird Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche angemahnt und als klares Ziel definiert. In ihm wird aufgezeigt, dass die Argumente, die gegen eine Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern der Kirche angeführt werden, theologisch nicht länger haltbar und überzeugend sind. In ihm wird eine deutlich größere Präsenz von Frauen in allen Bereichen der Kirche gefordert. Wie froh waren wir, die wir seit fast drei Jahren im Forum III engagiert sind, über das klare Abstimmungsergebnis in Frankfurt. Kritiker*innen haben immer schon gewarnt, sich zu viele Illusionen zu machen. Ihnen fehlt der Glaube, dass solche Voten sich auch wirklich in der Praxis niederschlagen, dass sie nicht nur Bewusstsein verändern, sondern reale Verhältnisse.

Wenn das oben genannte Foto alleinstünde, wäre solche Skepsis berechtigt. Aber da gibt es eben auch die andere Seite: die Ankündigung eines neuen Formates beim bevorstehenden Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom. Die klare Ansage Bischof Bätzings, dass „Reformen vor der Lehre nicht Halt machen dürfen“. Der feste Vorsatz, alle Themen und Beschlüsse des Synodalen Weges – einschließlich des gescheiterten Textes für eine erneuerte Sexualmoral – mit im Gepäck zu haben und im kommenden Jahr dann auch in die Weltsynode 2023 einzuspeisen. Es scheint also doch – auch bei den meisten Bischöfen – die Überzeugung vorzuherrschen, dass es kein Zurück geben kann, und dass wir unbeirrt und konsequent den Weg der Erneuerung der Kirche weitergehen müssen.

Wie dabei die Minderheit der Reformunwilligen integriert werden kann und überzeugt wird, dass Einheit in Vielfalt durchaus zum Katholischsein gehören darf und muss, bleibt eine offene Frage. Immerhin hat die vierte Synodalversammlung eindrücklich bewiesen, dass eine offene und ehrliche Debatten- und Gesprächskultur möglich ist. Es ist zu hoffen, dass eine solche auch bei der jetzigen Vollversammlung der Bischofskonferenz hinter verschlossenen Türen in Fulda weiter eingeübt wird. Nur so jedenfalls können die Bischöfe ihre auf breiter Front abhanden gekommene Glaubwürdigkeit ein Stück weit zurückgewinnen und die zunehmende Spaltung zwischen Kirchenvolk und Amtsträgern überwinden.


Sr. Philippa Rath, Benediktinerin der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim/Eibingen, Theologin und Politikwissenschaftlerin, Vorstand der Klosterstiftung Sankt Hildegard, Delegierte der Deutschen Ordensobernkonferenz im Synodalen Weg, Mitglied im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.