UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE

 Gerd Müller hat als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Kampf gegen den Hunger in der Welt zu seinem Schwerpunkt gemacht.

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Gerd Müller

„Unser tägliches Brot gib uns heute“

Eine Welt ohne Hunger Entwicklungspolitik in christlicher Verantwortung

Die vierte Bitte des Vater Unser: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ ist eine Kernaussage über unser menschliches Sein. Der, der es betet, weiß um die Zerbrechlichkeit des Lebens. Wir wissen: Ohne Nahrung ist alles gefährdet, was wir sind und was wir haben. Die Bitte um das tägliche Brot geschieht bewusst nicht im Singular. So nach dem Motto: „Mein tägliches Brot gib mir heu­te!“ Nein, der Plural deutet darauf hin, dass ich nicht nur für mich das tägliche Brot erbete, son­dern auch für die anderen.

Das Vater Unser als das Gebet der Christenheit schlechthin stellt den Einzelnen in die Gemein­schaft der Welt. Es verbindet einerseits diejenigen, die es beten, andererseits ruft es diejenigen, die es beherzigen in die Verantwortung für die gesamte Welt. Und diese Verantwortung für die Welt aus dem christlichen Glauben heraus kennt weder nationale, religiöse noch kulturelle Gren­zen. Gleichwohl achtet sie die nationalen, religiösen und kulturellen Wurzeln. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir in der Entwicklungspolitik gerade die religiösen und kulturellen Dimen­sionen der Zusammenarbeit noch stärker berücksichtigen müssen. Wir werden dies tun! Ich habe gerade eine Task force zusammengestellt. Sie beschäftigt sich mit der Frage nach der Bedeutung von Werten und Religionen für die Entwicklungszusammenarbeit.

Unsere Entwicklungspolitik ist also durch eine starke Achtsamkeit gegenüber denen geprägt, mit denen wir kooperieren. Eine Entwicklungspolitik aus christlicher Verantwortung muss daher als ein weltweit handelnder Prozess der Befreiung von Hunger, Armut und Krankheit verstanden werden, der sich auch gegen ungerechte Strukturen und Menschenrechtsverletzungen wendet. Es geht um einen ganzheitlichen entwicklungspolitischen Ansatz und nicht um einen partiellen. Der Mensch als Ganzer steht im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Nahezu eine Milliarde Menschen werden durch den Hunger unterdrückt und klein gehalten. Der Hunger kennt keine Perspektive zum Leben. Im Gegenteil: er zerstört sie. Mehr noch: Hunger ist vielfach der Grund für gewalttätige Auseinandersetzungen und gewalttätige Auseinandersetzun­gen sind oftmals der Grund für den Hunger. Frieden ist auf dieser Welt nur ohne hungernde Men­schen, ohne eine unterernährte Bevölkerung möglich. Entwicklungspolitik aus christlicher Ver­antwortung ist dezidierte Friedenspolitik. Aus diesem Grund habe ich dem Hunger den Kampf angesagt. Er ist das Hindernis für die Entwicklung der Menschen. Durch ihn kommen ganze Län­der nicht aus dem Elend.

Eine Welt ohne Hunger ist das Ziel der deutschen Entwicklungspolitik. Es ist mein Ziel! Gewiss, es ist nicht leicht zu erreichen. Das weiß ich. Allein schaffen wir das nicht. Hierzu brauchen wir alle Menschen, die guten Willens sind. Nicht zuletzt deshalb bündeln wir unsere Anstrengung. Wir führen mit vielen Institutionen und Organisationen unseres Landes intensive Gespräche und entwickeln Strategien, um dieses Ziel zu erreichen. Und wir haben starke Partner in der Zivilge­sellschaft und bei den freien Trägern. Wir tauschen uns mit den Kirchen aus, die beim Thema der Armutsbekämpfung auf jahrzehntelange Expertise zurückgreifen können. Und wir nutzen die Kraft und die Entschlossenheit der Wirtschaft sich weltweit zu engagieren.

Gemeinsam können wir es schaffen! Eine Entwicklungspolitik, die dem täglichen Sterben von 20.000 – 30.000 Kindern nicht den Kampf ansagt, beraubt sich ihrer Glaubwürdigkeit. Es war für mich deshalb selbstverständlich, zu Beginn der Legislatur eine Sonderinitiative aufzulegen, die die Ernährungssicherung zum Zentrum hat. Für Ernährung und ländliche Entwicklung stellt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) künftig jährlich mindestens eine Milliarde Euro bereit. Die dadurch angeregten Aktivitäten bündeln sich in der Sonderinitiative mit dem Namen: „Eine Welt ohne Hunger.“ Hierzu ist es unter anderem nötig, den Anstoß zu einem sozial und ökologisch verträglichen Strukturwandel in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum zu geben.

Die Hungerbekämpfung muss vor allem im ländlichen Raum stattfinden. Es ist immer wieder er­schütternd und im höchsten Maß unbefriedigend zu sehen, dass dort, wo die Lebensmittel wach­sen und produziert werden, die überwiegende Zahl der Menschen lebt, die hungern. Mir geht es deshalb vor allem um die Entwicklung leistungsfähiger bäuerlicher Familienbetriebe. Kleinere Betriebe erlangen ihre Kraft durch den regionalen Handel. Hierzu bedarf es der nötigen Infra­struktur und des technologischen Fortschritts in der Landwirtschaft. Ich werde deshalb die Förde­rung der internationalen Agrarforschung substanziell ausweiten. Bei all unseren globalen Bemü­hungen legen wir hierbei unseren Schwerpunkt bewusst auf Afrika. Afrika ist kein verlorener Kontinent! Er ist ein Kontinent der Zukunft. In diesem Zusammenhang werde ich in Afrika zehn Innovations- und Ausbildungszentren aufbauen, in denen vom Acker bis zum Teller Wissen transferiert wird. Das Land und der Boden sind die Grundlage für Wachstum im ländlichen Be­reich. Bodenschutz und die Rehabilitierung degradierter Böden sind deshalb eine wesentliche Aufgabe bei der Bekämpfung des Hungers.

Der Impuls aus der christlichen Verantwortung, Entwicklungspolitik zu gestalten, drückt sehr gut der französische Lyriker Paul Éluard (1895-1952) aus: „Eine andere Welt ist möglich und sie steckt schon in dieser.“ Auf diese Möglichkeit weist uns die vierte Bitte des Vater Unser hin. Je­den Sonntag wird sich weltweit in diesem Gebet der Verantwortung für das tägliche Brot für alle Menschen auf der Welt erinnert. Es ist auch für mich täglicher Ansporn mit Dynamik und Acht­samkeit an dem Ziel zu arbeiten, an dem es sich zu arbeiten lohnt. An einer Welt ohne Hunger!

 

Gerd Müller (1955) ist seit 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und gehört seit dem Deutschen Bundestag an. Zuvor war er von 1989 – 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments. 2005 – 2013 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Er ist Mitglied der CSU.

 

 

Eine Antwort zu “UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE

  1. Ich glaube, wir haben einen ganz guten Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. –
    Allerdings sollte BMZ sein Augenmerk auch auf strukturelle Fragen der Weltwirtschaft legen, die es armen Ländern oft schwer machen, sich nach oben zu entwickeln (unfairer Handel, Rohstoffausbeutung, u.a.) und sich hier stärker einmischen. Von zentraler Bedeutung scheint auch eine Verbesserung der staatlichen Strukturen in vielen Entwicklungsländern.

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