ÖKUMENE JETZT – CHRISTLICHER WELTDIENST JETZT !

Friedrich Kronenberg war 1966-1999 Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ist einer der Erstunterzeichner des Aufrufs ÖKUMENE JETZT. Er  fordert für den christlichen Weltauftrag stärkere ökumenische Zusammenarbeit:  „Christen, die konfessionsübergreifend ihren politischen Dienst leisten, sind beheimatet in einer „politischen Ökumene“, die einen festen Platz in der Ökumene der Kirchen beansprucht und die nicht in das Niemandsland zwischen den Konfessionen gehört.“

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

Friedrich Kronenberg

Ökumene jetzt! – Christlicher Weltdienst jetzt!

In Europa! – Für die Welt! 

Unsere kirchliche Trennung vor fünf Jahrhunderten hatte auch politische Gründe. Heute haben unsere ökumenischen Bemühungen um kirchliche Einheit ebenso auch politische Gründe. Dies ist eine Chance, sie gilt es zu nutzen. Wenn es morgen noch eine handlungsfähige Christenheit geben soll, die den vielfältigen Aufgaben des christlichen Weltdienstes gewachsen ist, müssen wir heute ökumenisch vorangehen. Der ökumenische „status quo“ ist für die zukünftigen Herausforderungen, denen der Dienst der Christen in der Welt begegnet, unzureichend.

Christlicher Weltauftrag verlangt stärkere ökumenische Zusammenarbeit 

„Martin Luther wollte die Kirche erneuern, nicht spalten… Dennoch kam es zur Kirchentrennung. Es gab gravierende Differenzen und Missverständnisse, aber die Spaltung hatte nicht nur theologische, sondern auch handfeste politische Gründe… Für die dauerhafte Trennung der Kirchen wurden Machtfragen wichtiger als Glaubensfragen… Heute ist die Kirchenspaltung politisch weder gewollt noch begründet.“ (Ökumene jetzt. Aufruf engagierter Christen zur Überwindung der Kirchentrennung. http://www.oekumene-jetzt.de) Heute verlangt das politische Engagement der Christen, dass sie gemeinsam handeln. Eine der Lehren des 20. Jahrhunderts in Deutschland lautet: Christen können ihren Dienst in Gesellschaft und Staat nur gemeinsam leisten. Wenn ihr Dienst in der Menschheitsfamilie und in der Welt glaubwürdig und beständig sein soll, dann müssen sie stärker ökumenisch zusammenarbeiten, dann müssen überzeugende Schritte der Kirchen zur kirchlichen Einheit Wirklichkeit werden. Der christliche Weltauftrag ist nur gemeinsam zu leisten: vor Ort, im eigenen Land, in Europa und in der Welt.

Zwar ist es ein wirklicher Fortschritt, dass heute fast alle Kirchen zu ihrer ökumenischen Verantwortung stehen. Für die evangelischen Kirchen mit der EKD als Hauptansprechpartner in Deutschland ist das selbstverständlich, für die Katholische Kirche heute ebenso. Das II. Vatikanische Konzil, das vor fünf Jahrzehnten in Rom stattfand, hat sich eindrucksvoll zur Ökumene bekannt. Aber dieser Fortschritt hat auch eine Vorgeschichte: die ökumenische Bewegung, eine freie Initiative von Priestern, Ordensleuten und Laien, theologisch fundiert, unterstützt auch von Bischöfen. Die ökumenische Bewegung hat wesentlichen Anteil daran, dass die katholische Kirche ihr Selbstverständnis heute nur unter Einbeziehung ihrer ökumenischen Verpflichtung formulieren kann. Die Einheit der Christen realisiert sich aber nicht, weil es die Verpflichtung hierzu gibt. Wie schon in der Vergangenheit sind in den Kirchen freie Initiativen, die ökumenisch vorangehen, erforderlich, damit das Wirklichkeit wird, was Jesus im Gebet, das er in der Stunde des Abschieds an seinen Vater richtete, erbeten hat: „Lass alle eins sein wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit die Welt glaube“

(vgl. Joh 17,21). Die Einheit der Christen ist zwar letztlich ein göttliches Geschenk, doch erspart diese Tatsache den Christen nicht die Anstrengung, an sich selbst zu arbeiten, damit sie dieses Geschenk entgegennehmen können.

Christ sein ist nicht möglich, ohne es für andere zu sein. Nicht eine „Wohlfühl-Kirche“, eine auf das Spirituelle reduzierte und in diesem Sinne „entweltlichte“ Kirche ist das Ziel christlichen Engagements, sondern eine der Welt zugewandte Kirche, die ihren Dienst mitten in unserer Welt an allen Menschen wahrnimmt. Wenn Christen „das Salz der Erde“ (vgl. Mt 5,13) sind, dann sind sie das immer und sofort, nicht erst, nachdem kirchliche Einheit verwirklicht wurde. Und wenn Christen sich gemeinsam als „Salz der Erde“ einbringen, dann vollenden sie dadurch zwar nicht ihre kirchliche Einheit, sie leben aber Ökumene. In einem gemeinsamen Dienst in der Welt, in einem ökumenischen Projekt ergreifen sie eine Initiative, die die Kirchen ihrem Ziel der kirchlichen Einheit der Christen näher bringt. Ökumene jetzt verlangt daher auch gemeinsamen christlichen Weltdienst jetzt!

Gemeinsames politisches Handeln der Christen verlangt eine „politische Ökumene“ 

Der christliche Weltdienst ist auch ein politischer Dienst. Wenn politisch engagierte Christen aus christlicher Verantwortung gemeinsam politisch handeln, dann hat ihr Dienst eine kirchliche und damit eine ökumenische Qualität. Christen, die konfessionsübergreifend ihren politischen Dienst leisten, sind beheimatet in einer „politischen Ökumene“, die einen festen Platz in der Ökumene der Kirchen beansprucht und die nicht in das Niemandsland zwischen den Konfessionen gehört. So legitim es in der Vergangenheit war, von einem politischen Katholizismus zu sprechen, so selbstverständlich muss es zukünftig sein, von einer politischen Ökumene zu sprechen. So neu ist das nicht: Die Gründung der Unionsparteien nach 1945 war für die, die aus christlicher Verantwortung einen politischen Neuanfang versuchten, ein ernsthaftes ökumenisches Projekt. Die ökumenischen Kirchentage seit dem Jahr 2000 mit ihrer Orientierung auf Weltgestaltung und Solidarität mit allen Menschen sind ebenfalls ein solches ökumenisches Projekt. Weitere solche Projekte gibt es und weitere sind denkbar, auch innerhalb politischer Parteien und parteiübergreifend.

Natürlich erschöpft sich die Politik nicht in der Realisierung des Christlichen und „erschöpft sich das Christliche nicht in dem, was Politik für den Menschen erreichen kann und versuchen darf. Politisches und Christliches können nur dann füreinander fruchtbar werden, wenn sie sich aneinander freigeben, wenn sie sich voneinander unterscheiden, um in solcher Unterscheidung Impuls füreinander zu werden. Impuls füreinander: denn auch das Christliche kann in seinem Verständnis und in seiner Realisierung vom Politischen lernen.“

(Klaus Hemmerle: Unterscheidungen. Gedanken und Entwürfe zur Sache des Christentums heute. Freiburg, Basel, Wien, 1972, S. 112. http://www.klaus-hemmerle.de). Entscheidend ist, dass christlich verantwortete Politik kirchlich, auch innerkirchlich nicht belanglos, sondern bedeutsam ist und dass sie nicht in ein kirchliches Niemandsland zwischen den Konfessionen abgedrängt wird. Bei aller Autonomie des Christlichen und des Politischen: sie durchdringen einander im Dienst am Menschen. Deshalb bedarf Politik aus christlicher Verantwortung einer Verortung in der Ökumene der christlichen Kirchen.

Was kennzeichnet ökumenisches Handeln als Politik aus christlicher Verantwortung? 

Wie nimmt das ökumenische Handeln engagierter Christen für eine Politik aus christlicher Verantwortung Gestalt an? Es gibt viele Beispiele, wie der christliche Weltauftrag, die Diakonie in Staat und Gesellschaft wahrgenommen werden kann. Die Christliche Gesellschaftslehre, die die Orientierung am christlichen Menschenbild konkretisiert, ist auch ein guter Kompass für das politische Engagement. Sie verpflichtet und eröffnet gleichzeitig die Chance, in der Gesellschaft einen politischen Dialog über das Bild vom Menschen zu führen.

In der Förderung der Familien, in der politischen Mitgestaltung unserer Sozialen Marktwirtschaft, in einer nachhaltigen und integralen Umweltpolitik, in der Bildungspolitik, im Einsatz für einen Frieden in Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität und in vielen anderen Aufgaben konkretisiert sich eine Politik aus christlicher Verantwortung.

In der Gestaltung des Verhältnisses von Kirche und Staat verfolgen Christen das Ziel, dass der Staat bei seinem Wirken für das allgemeine Wohl sich nicht verschließt für das Suchen der Menschen nach ewigem Heil, dass also der weltanschaulich neutrale Staat offen bleibt für Transzendenzbezüge menschlichen Lebens.

Christen treten in Staat und Gesellschaft für Religionsfreiheit ein, für das Recht jeder Person und jeder Gemeinschaft auf religiöse Freiheit. „Denn es ist eine offene Tatsache, dass alle Völker immer mehr eine Einheit werden, dass Menschen verschiedener Kultur und Religion enger miteinander in Beziehung kommen und dass das Bewusstsein der eigenen Verantwortlichkeit im Wachsen begriffen ist.“ (II. Vatikanisches Konzil, „Erklärung über die Religionsfreiheit“, 1965)

Alle diese Aufgaben überschreiten, wenn man sie heute wirksam wahrnehmen will, den Horizont nationaler Grenzen. Sie begegnen lokalen und globalen Herausforderungen. Christen sind als einzigartige „global player“ hier besonders gefordert.

In der Zukunft wird die christliche Überzeugung von der Einheit des Menschengeschlechts unser politisches Engagement mehr und mehr bestimmen. Christen glauben, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes ist und dass sich dieses Geschöpf durch eine unantastbare Würde und durch eine unvertretbare Verantwortung für die Schöpfung auszeichnet. Der Tatsache des gemeinsamen Menschseins entspricht die Anerkennung universaler Menschenrechte, die von keinem gesellschaftlichen Status und von keiner besonderen Leistung abhängen. In der Entwicklungszusammenarbeit der Kirchen mit ihren Anstößen und Anregungen für die staatliche Entwicklungszusammenarbeit findet diese Tatsache des gemeinsamen Menschseins überzeugenden Ausdruck. Die Einheit der Menschheitsfamilie ist altes christliches Gedankengut. Es ist daher selbstverständlich, dass die Christen ihr Engagement für weltweite Gerechtigkeit und Solidarität fortführen und ausbauen. So kann eine politisch überzeugende Antwort auf den gesellschaftlichen Prozess der Globalisierung gefunden werden.

Politische Ökumene in Europa für die Welt 

Angesichts der geopolitischen Herausforderungen der Gegenwart und der absehbaren Zukunft genügt es nicht, dass sich die Christen in ihren jeweiligen Ländern zusammentun, um sich diesen Herausforderungen zu stellen. Sie müssen sich über ihre nationalen Grenzen hinweg in Europa zusammentun, um ihrer globalen Rolle und ihrer Verpflichtung zum weltweiten Dienst am Menschen nachkommen zu können. Gemeinsame Anstrengungen aller Christen in Europa sind dringend geboten.

Wenn das richtig ist, dann stellen sich zwei Fragen: Wie kann die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen in Europa so weiterentwickelt werden, dass es dafür eine fruchtbare Verortung in einer europäischen politischen Ökumene geben kann? Und: Wie kann Europa politisch die Gestalt gewinnen, die notwendig ist, um seiner globalen Verantwortung gerecht zu werden?

Die Christen in Europa sollten sich bemühen, so zusammenzuarbeiten, dass sie sich gemeinsam in die gesellschaftliche und politische Gestaltung Europas einbringen können. Auf diese Weise werden sie dazu beitragen, Europa zu befähigen, seine weltpolitischen Aufgaben wahrzunehmen. Dass die Laienchristen in einer solchen europäischen Ökumene den ihnen zukommenden Platz einzunehmen haben, versteht sich von selbst. Viele werden das Ziel einer europäischen Ökumene für nicht erreichbar, vielleicht sogar für verfehlt halten. Dann soll in Gottes Namen darum gestritten werden. Unsere Welt erfordert den gemeinsamen Dienst der Christen Europas. Diesem Anspruch müssen sie sich stellen. Vielleicht wären es erste Schritte, wenn sich die ökumenischen Kirchentage in Deutschland zu ökumenischen Kirchentagen in Europa weiterentwickeln würden und wenn sich das Maximilian-Kolbe-Werk als Versöhnungswerk der Zukunft von seiner deutschen Trägerschaft über eine deutsch-polnische zu einer europäischen Trägerschaft weiter entwickeln würde, und zwar unter Beteiligung von katholischen und evangelischen Christen, eine Überlegung, die nicht so neu ist, wie sie vielleicht erscheint.

Manche werden meinen, es sei zumindest gewagt und wirklichkeitsfremd, bei der Fortentwicklung der Ökumene so sehr auf Europa zu setzen, wo es doch in der europäischen Politik allenthalben kracht und brennt. Doch gerade darin liegt eine besondere Chance, die Christen gemeinsam in Europa, für Europa und damit für die Eine Welt ergreifen können. Die europäische Währungsunion ist gebildet worden, ohne dass sämtliche politischen und rechtlichen Institutionen eingerichtet wurden, die hierfür erforderlich sind. Es mangelte in der Bevölkerung der beteiligten europäischen Länder an dem notwendigen Konsens hierfür. Die Politiker haben mit Recht das Machbare getan in der Zuversicht, dass die Entwicklung weitere Konsequenzen wie die Übertragung von bestimmten Rechten nationaler Souveränität auf europäische Institutionen erzwingt. Aber im menschlichen Zusammenleben ist dieses Erzwingen nicht mehr als eine Hoffnung.

Soll diese Hoffnung in Erfüllung gehen, dann müssen die Bürger Europas für den Gedanken gewonnen werden, Europa mehr im Sinne einer Politischen Union zu gestalten und im erforderlichen Maß auf Rechte nationaler Souveränität zu verzichten. Hier überzeugend zu wirken und dafür zu werben, ist eine herausfordernde Aufgabe für europäische Christen. So neu wäre diese Aufgabe nicht. Wir würden nur aufgreifen, was Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer in ihrer Zeit vorgemacht haben.

Europäische Christen gemeinsam für eine Politische Union Europa! Europäisches Engagement für die Eine Welt! Christen Europas für globale Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, für eine menschengerechte Friedensordnung weltweit! Dies ist ein Auftrag, der in der Ökumene der europäischen Kirchen verortet sein muss. Ökumene jetzt heißt daher auch christlicher Weltdienst jetzt, in Europa und für die Welt.

Dr. Dr. h.c. Friedrich Kronenberg (1933) hat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert. 1960-64 war er hauptamtlicher Leiter der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, 1966 – 1999 Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und 1983-1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1982 – 2003 war er Vorsitzender der Kommission für Zeitgeschichte und 2001 – 2009 Vorsitzender des Maximilian-Kolbe-Werkes.

29 Antworten zu “ÖKUMENE JETZT – CHRISTLICHER WELTDIENST JETZT !

  1. Richard Kraus

    ch freue mich, dass namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft sich entschlossen haben, der ökumenischen Bewegung Schirmherrschaft zu gewährleisten, um gesteckte Ziele zu erreichen.
    Ja, Ökumene hat auch politische gründe und umgekehrt, wie vor 500 Jahren. Aber jetzt schon in christlichen Weltdienst einzuwirken, halte ich zu verfrüht. Wenn dies von deutscher Seite Anerkennung und Respekt finden soll, muss eine kirchliche Institution federführend mit einer Stimme sprechen und handeln. Der Ursprung christlichen Glauben und der Kirche wird in Deutschland und Europa zwar nicht bezweifelt, bedauerlich ist aber wie er gelebt und gehandelt wird.
    Die Differenzen und Missverständnisse der Reformationszeit müssen endlich angegangen und ausgeräumt werden. Der erste Schritt aber kann nur sein: Vollökumene in Deutschland mit Gleichberechtigung der Kirchen, mit dem Ziele einer vereinten Kirche in Deutschland. Dies hätte Rückwirkung auf gleiches Verhalten in Brüssel. Nur ein christlich politisches Europa kann die Welt in ihrem Sinne beeinflussen, was Menschenrechte und Freiheit – auch der Religion betrifft. Christlicher Weltdienst also.
    Von Rom aber wird wieder nichts zu erwarten sein wie damals vor 500 Jahren. Hier muss die Politik vorangehen und einen Verhandlungsrahmen gestalten, von dessen Notwendigkeit das ganze gläubige Volk aller Bekenntnisrichtungen überzeugt ist. Um die vielen Gliedkirchen der „Westkirche“ an einen Verhandlungstisch zu bringen, braucht es außer Persönlichkeiten der Politik und Gesellschaft vor allem sehr mutige Bischöfe und Theologen aus beiden Hauptkirchen. Nur so kann eine „goldene Mitte“ der Streitpunkte gefunden werden, durch eine gemeinsame Rückbesinnung auf das was Martin Luther wirklich wollte. Nicht die Kirche wollte er spalten, sondern sie wieder auf ein solides Gleis setzen. Denn nicht alles was er für die Kirche im Sinne hatte, war im gegönnt. Dies ehrlich zu erforschen und zu erreichen, so es Gottes Wille ist, bitten wir um seinen Beistand!
    Und welcher Name für eine neue Kirchenheimat für alle könnte realistischer sein als… Lutherisch-Katholisch?
    Wenn schon, dann „ganze Arbeit“ heißt meine Devise. Aber wie erwähnt, muss sie von der Politik vorbereitet werden, von der deutschen Politik! Hier geschah damals die Entscheidung und bekam Weltgeltung.
    Und hier auch sollte es endlich wieder bereinigt werden, zum Nutzen für die ganze Welt, Wetten dass… auch viele wieder zum Glauben finden? Und es wird am Vatikan liegen, mit ins Boot zu steigen und den Fels Petri zu erhalten. Es wäre auch keine Demütigung, sondern ein besonnener, mutiger Schritt von Rom.
    Eine spannende Zeit, die nächsten 5 Jahre. Aber eine bessere für diese Aufgabe kommt nie wieder!
    Martin Luther, bekommt sein Jubiläum eine zweifache Ehre?

    Richard Kraus

  2. Unter christlichem Weltdienst heute verstehe ich auch ein entschiedenes Eintreten gegen die Christenverfolgungen in den islamischen Ländern und die Bereitschaft, Flüchtlinge aus diesen Ländern bei uns aufzunehmen.
    Es geht nicht an, dass christliche Politiker – egal, welcher Partei sie angehören – und die Repräsentanten der christlichen Kirchen dazu schweigen.
    Das betrifft übrigens auch die „einfachen“ Laien in der Kirche

  3. Walter Kardinal Kasper erhofft ein Pfingstwunder.
    Diesen Eindruck habe ich beim Lesen seines Beitrags in der ZEIT vom 13.09.2012 gewonnen. Nach ansprechenden und gut nachvollziehbaren Ausführungen zu den Ökumenebestrebungen im 20.Jahrhundert weist er auf die Problematik im unterschiedlichen Kirchenverständnis von protestantischen und orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche hin. Auf seine daraus gezogenen Schlussfolgerungen für die Einheit der Christen möchte ich an dieser Stelle im Einzelnen nicht eingehen.
    Dass er die „geistliche Ökumene“ der Christen verschiedener Kirchen, die sich „zum Lesen der Schrift, zum Gebet und zur theologischen Weiterbildung“ treffen, der von ihm so genannten „liberal katholisch-evangelischen Ökumene“ vorzieht, überrascht mich nicht.
    Meiner Ansicht nach leisten jedoch beide Ökumenebewegungen ihren jeweils spezifischen Beitrag zur Einheit der Christen.
    Die Ökumenepräferenz von Walter Kardinal Kasper und sein Schlusssatz „Wie, wo und wann, liegt nicht in unserer Hand“ erinnert mich an Apg 1, 12-14 – den Rückzug der Jünger in das „Obergemach“.
    Auch beim Lesen von weiteren, aktuellen Beiträgen ranghoher Kirchenvertreter beider Konfessionen zum Thema Ökumene bin ich wiederholt auf die Betonung der unterschiedlichen theologischen Positionen gestoßen, die zuerst überwunden werden müssten, bevor die sichtbare Einheit der Kirche hergestellt werden könne.
    Der Blick in das Neue Testament (Apg 15, 1-35) zeigt jedoch, daß die Einheit der Christen auch bei teilweiser Nichtanwendung von -scheinbar wesentlichen – Gesetzesvorschriften gewahrt bleibt.
    Dass die Kirchengeschichte trotz des Vorbildes des Apostelkonzils diverse Spaltungen, Gegenpäpste, gegenseitige Verurteilungen und sogar Religionskriege zwischen Christen aufweist, ist wohl nicht allein auf politische Einflussnahme zurückzuführen.
    Als eine der Ursachen darf man auch menschliche Schwäche christlicher Theologen – Diener der WORTES – annehmen, die sich zu Gefangenen ihrer eigenen Worte machten.
    Unsere menschlichen Schwächen dürfen uns nicht davon abhalten, dass der/die Einzelne auf seinem/ihrem Platz in Richtung Einheit der Kirche das Machbare sucht und umzusetzen versucht.

  4. Es gibt nur einen Jesus Christus, und ein Wort Gottes und dies haben alle Christen sie müßten nur darin lesen, dann würden sie die Warheit erkennen

  5. Wippich, Friedhelm

    Der gut gemeinte Aufruf argumentiert auf zwei unterschiedlichen Ebenen.
    Richtig ist, dass Luther selbst lediglich eine Reform herbeiführen wollte, aber an eine Trennung von seiner Kirche nicht gedacht hast. Doch das erscheint mir eigentlich unerheblich; denn die protestantischen Glaubensüberzeugungen waren es, die damals die Spaltung unvermeidlich gemacht haben, und nur das ist in diesem Zusammenhang wichtig. Die grundlegenden Glabensüberzeugungen der Protestanten sind nämlich – kurz gefasst – folgende:
    Sola gratia (allein durch Gnade), sola fide (allein durch Glauben), sola scriptura (allein aufgrund der Schrift), sola Christus (allein Christus). Keines dieser Prinzipien ist eigentlich mit dem katholischen Glaubens-und Kirchenverständnis vereinbar. Doch m. E. sind das theologische Probleme, die lösbar sind, wie bereits 1998 bei Übereinkunft in der Frage der Rechtfertigugnslehre geschehen, bei denen übrigens die theologischen Unterschiede jeweils gewahrt wurden, ihnen allerdings die Kraft des Trennenden abgesprochen worden ist.
    Das zeigt, dass man Lösungen theologischer Probleme getrost hoffnungsvoll zustimmen kann, wären da nicht ganz massive organisatorische Schwierigkeiten, über die man sich sehr genau im klaren sein muss, wenn man nach „organisatorischer“ Einheit ruft. Luthers Kirchenverständnis könnte weiterhelfen. Er sagt sinngemäß, dass „wahre Kirche“ eine unsichtbare, geistige Größe ist, weil Glaube nicht sichtbar ist. Zugleich aber sei „Kirche“ auch eine, notwendige sichtbare menschliche Institution.
    Also jede Glaubensgemeinsachaft braucht eine Organisation in der weltlichen Organisation „Kirche“, und das war von Anfang an so, z. B. in der Urgemeinde, die die Organisationsformen für das Gemeindeleben, Texte besorgt und gottesdienstliche Ordnungen gestiftet hat, ohne die wir unsern christlichen Glauben gar nicht kennen gelernt hätten; denn Jesus hat keine Kirche gestiftet. Alles diesbezüglichen neutestamentlichen Aussagen nachträgliche, nachöstlerliche Gemeindebildungen. Die sichtbare Kirche ist eine geschichtlich gewachsene Organisationsform, der das Evangelium jeweils als kritische Sonde gegenüber steht.
    Der Aufruf argumentiert auf zwei unterschiedlichen Ebenen und vermischt m. E. unzulässig die Ebene der christlichen Glaubensgemeinschaft, auf der Katholiken und Protestanten sich längst als Schwestern und Brüder Jesu Christi problemlos begegnen, und die Ebene der s. g. „Amtskirchen“.
    Folgendes Beispiel kann zeigen, dass weder im zitierten Text Nr. 5 „Unitatis Redintegratio“ (II. Vatikanisches Konzil) noch in unserm Aufruf zur auch organisatorischen Vereinigung beider Kirchen die Frage des „wie“ bedacht worden ist. Und m.E. stehen wir damit vor einem eigentlich prinzipiell unlösbaren Problem, mit dem wir umzugehen lernen müssten.
    Wollen wir Protestanten etwa die „redintegratio“ , was man getrrost als „Wiedereingliedrung“ verstehen kann, und der pästliche Versuch der ev. Kirche den Status als solcher abzuerkennen wiest in solche Richtung?
    Wollen wir den Katholiken etwa die Abschaffung des Papsttums und die Aufgabe ihrer so reichen, auch kulturell so bedeutsamen Tradition zumuten?
    Sollten wir nicht eine bescheidenere, pragmatischere Einstellung gewinnen und Problemlösung durch Schaffung neuer Probleme nur dann zulassen, wenn die dadurch entstehenden Nachfolgeprobleme kleiner sind das da Ausgangsproblem? Und das ist m. E .
    bei dieser Frage nicht der Fall. Das will heißen: Lasst uns helfen, theologische Schwierigkeiten zu überwinden (z. B. die schwerwiegende Verhinderung der Abenmahlsgemeinschaft) und die organisatorische Vielfalt akzeptieren und nutzen.
    Ich selbst denke ich dabei an die „Weltläufigkeit“ (Küng) der kath. Kirche, wenn ich im Ausland bin.
    Besonders stark berührt hat mich übrigens die Aussage eines orthodoxen Palästinensers berührt, der vor unserer kath. un ev. Reisegruppe sagte: „Wir Christen…“

  6. Am Ende des Textes werden Christen aufgerufen, sich für eine Politische Union in Europa einzusetzen. Dieser Appell ist recht allgemein und bedarf genauer Prüfung. Das Subsidiaritätsprinzip ist dabei von großer Bedeutung. Der Euro ist ein großer Fortschritt in der Einigung Europas. Man kann ihm aber nicht alles andere als „vermeintlich zwangsläufig“ unterzuordnen. Otmar Issing warnte in der FAZ vom 4.9.2012 vor dem plakativen Ruf nach mehr Europa und warb stattdessen für ein besseres Europa, eine Union der Vertragstreue und der wirtschaftlichen Vernunft. In meinen Augen ist das Wichtigste aus christlicher Sicht, dass auch in Zukunft die Menschen in Europa das Gefühl haben, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und müssen.

  7. Wenn ich es richtig sehe, soll dieser Artikel Gelegenheit geben, nicht bei der theoretischen Theologie stehenzubleiben, sondern ganz praktisch zu überlegen, wie Politik heute christlich gestaltet werden kann. Zweifellos ein wichtiger Punkt, denn die politischen Herausforderungen sind heute da! Es ist schön, dass man auf dieser Plattform aus christlicher Perspektive darüber streiten und sich einbringen kann. Ich hoffe, noch recht lange mit vielen spannenden Themen (Kann man übrigens auch Themen selber vorschlagen?).
    Der Text von Herrn Kronenberg ist relativ allgemein gehalten, schwierig wird es immer, wenn es konkreter wird. Aber selbst in einen allgemeinen Text, der sich aus christlicher Sicht mit Politik beschäftigt, sollte ein Hinweis auf die Problematik der zunehmenden Einkommensungleichheit nicht nur im globalen Maßstab sondern auch bei uns vor der Haustür nicht fehlen.
    Es ist nicht hinnehmbar, wenn Menschen, die heute in zwei/drei Jobs fulltime arbeiten, hinterher kaum genug zum Leben haben, während andere in durchaus nicht unangenehmeren Positionen das Tausendfache davon verdienen. Ich habe nichts gegen Einkommensunterschiede, aber nicht in dieser Größenordnung (das Zehn-bis Zwanzigfache wäre vielleicht noch akzeptabel). Der Beitrag einer Krankenschwester zum Gemeinwohl ist nicht 1000mal geringer als der eines Vorstandsvorsitzenden (der sich idR. von einem umfangreichen Beraterstab beraten und von einer Personalagentur promoten lässt, der aus den sprudelnden Einnahmen eines globalen Großkonzerns schöpfen kann und der von Aufsichtsrat und Hauptversammlung kaum wirksam eingeschränkt wird). Wenn die Primäreinkommen am Markt heute so sind, darf man es als christliche orientierte Gesellschaft nicht dabei bewenden lassen. Allein der globale Vergleich und die vermeintlich ansonsten beeinträchtigte globale Wettbewerbsfähigkeit kann hier nicht unser Maßstab sein. Nicht eine entfesselte globalisierte Wirtschaft und eine Globalisierungs-Manager-„Elite“ mit reinen Profitinteressen dürfen unser gesellschaftspolitisches Handeln bestimmen, sondern das christliche Menschenbild und ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz.
    Es ist angesichts des in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegenen privaten Reichtums unserer Gesellschaft auch nicht hinnehmbar, wenn wegen vermeintlicher Finanzierungsprobleme Gemeinschaftsgüter (sogen. öffentliche Güter) leiden, weil davon besonders einkommensschwache Personenkreise betroffen sind.
    Das Einkommen ist nicht eine vernachlässigbare Größe, wie es von den Wohlhabenden dieser Welt immer gerne dargestellt wird. Es ist immer auch eine Mitvoraussetzung zur eigenen Lebensgestaltung, zur (von Gott gewollten) Selbstverwirklichung des Menschen. Gauck hat in seiner Amtsantrittsrede am 23. März 2012 den schönen Satz gesagt: „Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit. Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für das Bewahren von Freiheit.“
    Die gegenwärtigen Einkommensunterschiede sind zerstörerisch im Hinblick auf eine gedeihliche Entwicklung einer solidarischen Gesellschaft und widersprechen der Würde des Menschen.

    • Selbstverständlich können Sie der Redaktion auch Themen für diesen Blog vorschlagen. Bitte schicken Sie eine mail an stephan.eisel@kreuz-und-quer.de

    • Die Gehaltsexzesse betreffen nicht nur Wirtschaftsvertreter, sondern auch Beschäftigte in anderen Bereichen, z.B. in den Medien, auch in den öffentlich-rechtlichen. Wenn man da die Gagen sieht, fragt man sich auch nach der Verhältnismäßigkeit, zumal das aus Gebühren der „kleinen“ Leute und öffentlichen Mitteln finanziert wird. Auch hier sollten die Verantwortlichen sorgsam mit den Mitteln umgehen und bedenken, wo sie herkommen. Christliche Politik muss darauf achten, dass Zentrifugalkräfte den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht sprengen.

  8. Es war in meinen Augen keine so gute Idee, die Initiative „Ökumene-jetzt“ mit dem Thema „Christlicher Weltdienst“ und dem entsprechenden politischen Aufsatz vom ersten Tag an auf dieser Internetseite zu verquicken. Neben dem Problem der Überfrachtung der Seite und der Ablenkung vom Hauptthema kann so natürlich der Verdacht aufkommen, dass der Ruf nach mehr Ökumene in erster Linie mit vermeintlichen politischen Notwendigkeiten und Erleichterungen begründet wird. Dadurch wird die Initiative geschwächt. Politische Erwägungen können nicht das Hauptmotiv für mehr Ökumene sein. Das ist nach meiner Einschätzung den Initiatoren sicher klar, aber bei dem einen oder anderen Leser mag es anders rüberkommen.

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