Kommentieren Sie ÖKUMENE JETZT

Am 5. September 2012 haben engagierte Christen einen Aufruf zur Überwindung der Kirchentrennung vorgestellt. Diesen Aufruf können Sie hier lesen, kommentieren und diskutieren und hier unterzeichnen.

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

Der Aufruf:

Ökumene jetzt: ein Gott, ein Glaube, eine Kirche

„Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Paulus-Brief an die Epheser 4, 3–6)

In den kommenden Jahren erinnern die Christen in der ganzen Welt an zwei herausragende Ereignisse der Kirchengeschichte:

  • 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil,
  • 500 Jahre Reformation.

In Deutschland soll die „Luther-Dekade“ der Vorbereitung und Würdigung eines historischen Datums dienen, das im Rückblick eine Zäsur in der Geschichte nicht nur unseres Landes darstellt. Beide Ereignisse betreffen nicht nur jeweils eine Konfession, sondern sind eine Herausforderung an alle und eine Angelegenheit insbesondere, aber nicht nur der Kirchen.

Wir werden uns an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Ausstellungen, Publikationen und Gottesdiensten zur Erinnerung und Würdigung des Zweiten Vatikanischen Konzils wie der Reformation engagiert beteiligen, und wir wollen alles tun, dass nach den Jubiläen nicht alles so bleibt, wie es vorher war.

Weil uns Gott in der Taufe Gemeinschaft mit Jesus Christus geschenkt hat, sind Getaufte als Geschwister miteinander verbunden. Sie bilden als Volk Gottes und Leib Christi die eine Kirche, die wir in unserem Credo bekennen. Deshalb ist es geboten, diese geistliche Einheit auch sichtbar Gestalt gewinnen zu lassen.

Martin Luther wollte die Kirche erneuern, nicht spalten. Er wollte die Einheit der Kirche, damit die Welt glaubt (vgl. auch Joh 17,9-23). Die Einführung konfessioneller Vielfalt innerhalb eines Gebietes hielt er ausdrücklich für undurchführbar und unangemessen. Auch die lutherische Bekenntnisschrift Confessio Augustana betont die Notwendigkeit der Einheit der Kirche: „Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.“ (Confessio Augustana 7)

Dennoch kam es zur Kirchentrennung. Es gab gravierende Differenzen und Missverständnisse, aber die Spaltung hatte nicht nur theologische, sondern auch handfeste politische Gründe: Nicht die Glaubensüberzeugung führte dazu, dass man evangelisch oder römisch-katholisch wurde, sondern der Wohnsitz. Die Herrscher einer Region bestimmten die Konfession ihrer Einwohner. Für die dauerhafte Trennung der Kirchen wurden Machtfragen wichtiger als Glaubensfragen. Es war daher eine logische Konsequenz, dass das Anliegen, eine einzige christliche Kirche zu sein, auch nach der Kirchentrennung immer wieder aufgenommen worden ist, wenn auch in unterschiedlicher Intensität.

Eine besondere Ausprägung erfuhr das Streben nach der Einheit der Kirchen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), das nicht nur zur pastoralen, sondern auch zur ökumenischen Erneuerung einberufen wurde. Ein zentrales Dokument des Konzils, das Dekret über den Ökumenismus (Unitatis Redintegratio), nimmt die Christinnen und Christen in die Pflicht, sich für die Wiederherstellung der Einheit der Kirche einzusetzen: „Christus der Herr hat eine einige und einzige Kirche gegründet, und doch erheben mehrere christliche Gemeinschaften vor den Menschen den Anspruch, das wahre Erbe Jesu Christi darzustellen; sie alle bekennen sich als Jünger des Herrn, aber sie weichen in ihrem Denken voneinander ab und gehen verschiedene Wege, als ob Christus selber geteilt wäre (1. Kor 1,13). Eine solche Spaltung widerspricht aber ganz offenbar dem Willen Christi, sie ist ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen.“ (Vatikanum II, Unitatis Redintegratio Nr. 1)

Damit steht das römisch-katholische Dekret nicht nur in der Tradition des Apostels Paulus, sondern auch in der Fortsetzung des lutherischen Anliegens. Es benennt zugleich, wo die Verantwortung für das Streben nach der Einheit zu suchen ist.

Nicht nur die Hirten, sondern auch und gerade die Gläubigen sind zur Sorge um die Wiederherstellung der Einheit aufgefordert. „Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht jeden an, je nach seiner Fähigkeit, sowohl in seinem täglichen christlichen Leben wie auch bei theologischen und historischen Untersuchungen.“ (Vatikanum II, Unitatis Redintegratio Nr. 5) Wir können und müssen die Sorge um die Einheit der ganzen Kirche nicht ruhen lassen, bis eine theologische Einigung über das Amts- oder Abendmahlsverständnis zwischen den Kirchenleitungen erreicht worden ist. Und wir dürfen uns auch nicht mit dem Ziel zufrieden geben, dass Kirchen sich gegenseitig als Kirchen anerkennen. Selbst wenn wir davon gegenwärtig noch entfernt sind: Dieses Ziel ist notwendig, aber zu klein!

Wir wollen nicht Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung, sondern gelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt.

Heute ist die Kirchenspaltung politisch weder gewollt noch begründet. Reichen theologische Gründe, institutionelle Gewohnheiten, kirchliche und kulturelle Traditionen aus, um die Kirchenspaltung fortzusetzen?

Das glauben wir nicht.

  • Offensichtlich ist, dass katholische und evangelische Christen viel mehr verbindet als unterscheidet.
  • Unbestritten ist, dass es unterschiedliche Positionen im Verständnis von Abendmahl, Amt und Kirchen gibt.
  • Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen.

In beiden Kirchen ist die Sehnsucht nach Einheit groß. Die Folgen der Spaltung werden im Alltag von Christinnen und Christen schmerzlich empfunden.

Wir würdigen die Anstrengungen um die Fortschritte der Ökumene in den letzten Jahrzehnten. Wir sind dankbar, dass die Erfahrung der Gemeinschaft im Glauben und die praktische Zusammenarbeit katholischer und evangelischer Gemeinden vor Ort sich schneller entwickelt als der institutionelle und theologische Klärungsprozess.

Wir appellieren an die Kirchenleitungen, die tatsächlichen Entwicklungen in den Gemeinden vor Ort so zu begleiten, dass die Ökumene nicht in ein Niemandsland zwischen den Konfessionen abwandert, sondern die Trennung unserer Kirchen überwindet. An die Gemeinden appellieren wir, die Ökumene weiter voran zu treiben, kirchliches Leben miteinander zu gestalten, Räume gemeinsam zu nutzen und die organisatorische Einheit anzustreben.

Als Christen im Land der Reformation stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, den gemeinsamen Glauben auch in einer gemeinsamen Kirche zu leben.

Erstunterzeichner dieses Aufrufs sind:
Thomas Bach, Andreas Barner, Günter Brakelmann, Andreas Felger, Christian Führer, Gerda Hasselfeldt, Günther Jauch, Hans Joas, Friedrich Kronenberg, Norbert Lammert, Hans Maier, Thomas de Maizière, Eckhard Nagel, Otto Hermann Pesch, Annette Schavan, Uwe Schneidewind, Arnold Stadler, Frank-Walter Steinmeier, Wolfgang Thierse, Günther Uecker, Michael Vesper, Antje Vollmer  und Richard von Weizsäcker

363 Antworten zu “Kommentieren Sie ÖKUMENE JETZT

  1. Extra ecclesiam nulla salus!! Wie bitte schön soll denn diese sogenannte Ökumene funktionieren? Die Katholiken haben sieben Sakramente, die Evangelen nur zwei. Sollen wir uns in der Mitte treffen bei 3,5?
    1.Die Sakramente sind von Christus eingesetzt und sind nicht beliebig verhandelbar.
    2. Christus hat zwölf Männer erwählt und nicht gewählt, er hat somit der Kirche eine hierarchische Ordnung gegeben.
    3. Hätte Christus Frauen zu Priestern ordiniert, so wäre sicherlich die heilige Gottesmutter Maria erste Priesterin gewesen. Sie war es aber nicht.
    4. Würde es auf Mehrheitsabstimmungen ankommen, wäre Ketteler niemals Bischof in Mainz geworden und der Heilige Johannes Maria Vianney niemals Pfarrer von Ars, sowie Bernhard Lichtenberg niemals Dompfarrer in Berlin, denn sie waren zu streng.
    Für bequeme Meinungen kriegt man immer eine satte Mehrheit zusammen.
    5. Nicht wir machen Kirche, sondern Christus hat seine Kirche eingesetzt, in der wir leben dürfen.
    Sie ist hierarchisch strukturiert und kein organischer Debattierclub.

    • Michael Sprünken

      Lieber Herr Cytlak,

      Sie bringen zum Ausdruck, dass bereits die unterschiedliche Zahl der Sakramente aus Ihrer Sicht dagegen spricht, dass Ökumene funktionieren kann. Ihre Zahl sei nicht beliebig verhandelbar, schreiben Sie.
      Richtig, beliebig verhandelbar sind sie nicht. Aber sind sie deswegen überhaupt nicht vehandelbar? Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt da ein anderes Bild: Seit dem 13. Jh. gilt in der katholischen Kirche die Siebenzahl der Sakramente. Augustinus (gest. 430) geht noch von mehr als hundert Sakramenten aus! Die Kirche hat die Zahl der Sakramente offenbar im Lauf der Zeit reduziert.Der Katechismus der katholischen Kirche drückt dies in einer bemerkenswerten Formulierung aus: „So hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte erkannte, dass es unter ihren liturgischen Feiern sieben gibt, die im eigentlichen Sinn vom Herrn eingesetzte Sakramente sind.“ Warum sollte ein ähnlicher Bewusstwerdungsprozess nicht auch zwischen den evangelischen und der römisch-katholischen Kirche möglich sein?

      Der erste Schritt in der Ökumene sollte immer sein, sich zu bemühen, warum der jeweils andere so denkt wie er denkt. Andersherum gilt es, dass eigene Denken dem anderen verständlich zu machen. Wohin dieser Weg führt – im Falle der Sakramente: zu sieben, drei oder zwei Sakramenten oder einer ganz anderen Kategorisierung, die die unterschiedlichen Sichtweisen aufhebt – ist vermutlich nicht von vornherein zu sagen. Aber: Was spricht dagegen?

      Immerhin sind Taufe und Abendmahl

      • Leider hat Herr Cytlak in seinen zwar kurzen, aber dennoch präzisen und bibelfesten (!) Aussagen absolut recht.
        Sie sprechen von unzähligen zu einer kleinen Summe geschrumpfter Sakramente, aber Sie irren, denn Sie meinen womöglich die unzähligen „Sakramentalien“, die es noch heute gibt und wirklich enorm sind.

  2. Ich verfolge mit Interesse diesen Aufruf. Eine Überwindung der Trennung der Konfessionen muß man den Gläubigen und deren Kirchen überlassen. Und wenn die sich nicht bewegen, dann ist doch eine kirchliche Konkurrenz bitter notwendig. Ein großes Problem ist dabei das päpstliche System. Es geht nicht um den einzelnen Papst als Person und Christ, sondern um das System. Der überhöhte Anspruch des Papstes, die Erwartung nach Unterwerfung und Huldigung und der Anspruch auf weltliche Macht war und ist bis heute ein großes Hindernis für die Zusammenführung der Kirchen.

  3. Zitat aus dem Aufruf:
    „Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung der Trennung nicht rechtfertigen.
    In beiden Kirchen ist die Sehnsucht nach Einheit groß. Die Folgen der Spaltung werden im Alltag von Christinnen und Christen schmerzlich empfunden.“

    Kommentar:

    Letzteren Satz können wir alle unterschreiben und in vielen Fällen auch mit empfinden. Doch ebenso sehr bin ich überzeugt, dass der erste Satz leider falsch ist.Der gute und fromme Wunsch nach Einheit wird nicht dadurch zu verwirklichen sein, dass Katholiken oder Protestanten zentrale Glaubensüberzeugungen aufgeben.Hier sehe ich in keiner der beiden Kirchen Bewegung, nicht in bei den Katholiken, für die zB. ihr Verständnis von Eucharistie unumstößlich bleiben wird, und nicht von den Protestanten, die eigentlich nur ständig fordern, die katholische Kirche möge diese Überzeugung aufgeben (ich denke nicht, dass es in der protestantischen Kirche ernsthafte Diskussionen darüber gibt, ob nicht die katholische Version doch „näher“ an der Wahrheit ist ??)

    Fazit: Gelebte Ökumene heißt derzeit: Die faktischen Unterschiede erkennen und anerkennen und eben auch beiderseits Konsequenzen respektieren. Aber auch Freude und Bekenntnis zum den Gemeinsamkeiten des biblisch christlichen Glauben gegenüber den vielen, wahrlich nicht besseren Alternativen dieser Welt!

  4. Ökumene jetzt,2000 Euro Grundeinkommen jetzt,Frieden sofort,….. Als Wunsch,Ziel kann und darf man viel fordern. Man läuft aber Gefahr den Menschen zu überfordern weil man die Fakten ignoriert.
    Zunächst einmal ist klar,dass die Abspaltungen in verschiedene Konfessionen nicht im Sinne des Evangeliums sein können.Schon gar nicht wenn berücksichtigt wird,dass aus der ersten Spaltung sich viele tausend weitere ergeben haben und weitere Spaltungen folgen werden.Wem nützt das? Wer führt da Regie?
    Dass die 1,3 Milliarden fassende katholische Kirche da wie ein Fels in der Brandung steht kann nicht übersehen werden, allen Sünden zum Trotz. Natürlich lassen sich Theologen,Wutbürger,Atheisten u viele andere Menschen es sich nicht nehmen,den Fels zu beschädigen.Auch innerhalb der katholischen Kirche setzt der Spaltpilz an wie die vielen Aufrufe zum Ungehorsam zeigen.Der Teufel macht vor der Kirche nicht halt.Der Kern des Glaubens wird oft nicht sichtbar wenn immer wieder über die gleichen Strukturprobleme gestritten wird.Er ist aber noch heil wie jeder Katholik bei der Heiligen Eucharistie erfährt.
    Auf welches der vielen kleinen „Rettungsbote“ soll man sich als Christ denn begeben? Auf welches würden Sie springen? Ich orientiere mich am Fels und bete,dass alle gerettet werden.

  5. wie ich in unserer Gemeinde feststellen kann,ist der Satz:“Wir glauben doch sowieso alle an einen Gott“ gang und gebe.Wenn dem so ist,dann wäre doch der Einheit im Glauben eigentlich keine Hindernisse gesetzt.
    Meiner Meinung nach kann die Einigung der christlichen Kirchen nur vom Volk ausgehen.Wie ein Kommentator schon richtig erkannt hat dürfen wir nicht auf die Amtskirche warten.Es müßte eine Revolution im christlichen Glauben stattfinden.
    Wie ist es eigentlich um die Finanzen der christlichen Kirchen bestellt? Könnte auch das ein Hindernis zur Ökumene sein.Andererseits schließen sich doch Firmen und Werke zusammen um besser wirtschaften zu können.
    Ich wünsche mir ein gutes christliches Miteinander.Möge Gott die Herzen der Menschen erleuchten und ihnen gute Gedanken geben damit sie das Ziel der Wiedervereinigung im Glauben erreichen.

  6. Wippich, Friedhelm

    Der gut gemeinte Aufruf argumentiert auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Bei der historischen Bezugnahme auf die Reformation ist sicher richtig, dass machtpolitische Gesichtspunkte die Spaltung befördert haben und Luther selbst lediglich eine Reform in Gang setzen wollte, aber an eine Trennung von seiner Kirche sicher nicht gedacht hat. Doch das ist eigentlich unerheblich, denn die protestantischen Glaubensüberzeugungen waren es, die damals die Spaltung unvermeidlich gemacht haben, und nur das scheint mir in diesem Zusammenhang wichtig.
    Die grundlegenden Glaubensüberzeugungen der Protestanten sind nämlich – kurz gefasst – folgende: Sola gratia (allein durch Gnade), sola fide (allen durch den Glauben), sola scriptura (allein aufgrund der Schrift), solus Christus (allein Jesus Christus). Keines dieser Prinzipien ist eigentlich mit dem katholischen Glaubens – und Kirchenverständnis vereinbar. Doch m. E. sind das theologische Probleme, die man lösen kann. So geschehen bei der 1998 gelungenen Übereinkunft über die Rechtfertigungslehre, bei der allerdings die theologischen Unterschiede bestehen geblieben sind und ihnen lediglich die Kraft des Trennenden abgesprochen worden ist.
    Also den Lösungsversuchen theologischer Probleme kann man getrost zustimmen, wären da nicht eben ganz massive organisatorische, über die man sich m.E. sehr genau im Klaren sein muss, wenn man nach „organisatorischer Einheit“ ruft. Luthers Verständnis von Kirche könnte da weiterhelfen. Er sagt sinngemäß, dass „wahre“ Kirche ein unsichtbare, geistige Größe ist, weil Glaube äußerlich nicht sichtbar ist. Zugleich aber sei Kirche auch eine notwendige, sichtbare menschliche Institution, in der übrigens sogar „Antichristliches“ verborgen sein kann.
    Jede Glaubensgemeinschaft braucht die Organisation in der weltlichen Institution „Kirche“. Und das war von Anfang an so, z. B. in der Urgemeinde, die die Organisationsformen für das Gemeindeleben, Texte besorgt und gottesdienstliche Ordnungen geschaffen hat, ohne die wir unsern christlichen Glauben gar nicht kennen gelernt hätten; denn Jesus selbst hat keine Kirche gestiftet. Alle diesbezüglichen neutestamentlichen aussage sind nachträgliche, nachösterliche Gemeindebildungen.
    Diese sichtbare Kirche ist eine geschichtlich gewachsene Organisati-onsform, der das Evangelium jeweils als kritische Sonde gegenüber steht.
    Der vorliegende Aufruf argumentiert deshalb auf zwei unterschiedlichen Ebenen, weil er m. E. unzulässig die Ebene der christlichen Glaubensgemeinschaft, auf der Katholiken und Protestanten sich längst als Schwestern und Brüder Jesu Christi problemlos begegnen und die Ebene der so genannten „Amtskirchen“, die bei allen Schwächen und Schwerfälligkeiten nicht ganz zu Recht als Hemmnisse auf dem Weg zur Einheit betrachtet werden.
    Doch machen wir uns an einem einzigen Beispiel klar, dass weder im zitierten Text Nr. 5. „Unitatis Redintegratio“ des um Ökumene durchaus verdienstvoll bemühten II. Vatikanischen Konzils noch in unserm Aufruf zur Vereinigung beider Kirchen die Frage des „Wie“ bedacht worden ist.
    Denn m. E. stehen wir dabei vor einem geradezu unlösbaren Problem, mit dem wir umzugehen lernen müssten. Beispiel: Wollen wir Protestanten wirklich die „redintegratio“ man kann das getrost als „Wiedereingliederung“ versteheh) und der jüngste päpstliche Versuch, der ev. Kirche die Anerkennung als solcher zu verweigern, weist in eine solche Richtung?
    Wollen wir der katholischen Kirche etwa die Abschaffung des Papsttums und die Aufgabe ihrer so reichen und kulturell bedeutsamen Tradition zumuten? Sollten wir nicht eine bescheidenere, pragmatischere Einstellung einnehmen und Problemlösung durch Schaffung neuer Probleme nur dann zulassen, wenn die dadurch entstehneden Nachfolgeprobleme kleiner sind als das Ausgangsproblem?
    Und das scheint mir in diesem Zusammenhang nicht der Fall zu sein. Das will heißen: Lasst uns daran arbeiten, die theologischen Probleme zu überwinden, z. B. in der Abendmahlsfrage, denn was gibt es Trennenderes als die Verweigerung der Mahlgemeinschaft? Doch sollten wir die organisatorische Vielfalt akzeptieren und nutzen, z. B. für den Protestanten die „Weltläufigkeit“ (Küng) der katholischen Kirche.

  7. Liebe Leute von Ökumene jetzt!
    Vielen Dank für Euren Aufruf, den ich mit Interesse gelesen habe. Ihr selbst bezeichnet die bisher gegangenen Schritte in der Ökumene als wichtige Schritte. Als solchen empfinde ich Euren Text – ein wichtiger weiterer Schritt. Es ist für mich ein wichtiges Zeichen, für das, an was ich glaube und was ich bemerke: Göttliches möchte sich jetzt im Kollektiven zeigen – gute Verbindungen. Was mich an Eurer Idee traurig macht ist, dass Ihr zwar von göttlicher Einheit sprecht, aber offensichtlich nur Kirche meint. So wie Ihr die Getauften als Brüder und Schwestern beschreibt, schließt Ihr die Ungetauften gleichzeitig aus.
    Für mich geht es nicht um Gemeinschaft und Mitgliedschaft in einer Kirche und der dazugehörigen Gemeinschaft, sondern um die Ungetrenntheit von mir und dem einen Gott. Für mich kann es deswegen aus tiefstem Herzen nur darum gehen, die Ungetrenntheit von Gott und den Menschen zu verkünden. In meiner Überzeugung und Phantasie wären damit jegliche Begrenzungen aufgelöst. Menschen in bewusster Ungetrenntheit zu Gott brauchen keine Dogmen, Konzilsbeschlüsse und Institutionen.
    Für mich würde dieses Bewusstsein zu einer „grenzen“-losen Freiheit führen und mehr braucht’s nicht vor Gott. In herzlicher Verbundenheit durch unseren einen Gott!

  8. Man hat den Eindruck, daß unsere amtskirchlichen Herren in Purpur, der Papst eingeschlossen, immer noch nicht erkennen und wahr haben wollen oder können, daß sie sich unendliche weit von Gott, Jesus und dem Evangelium entfernt haben, was der wachsenden Zahl der selbst denkenden Christen und Katholiken nicht verborgen bleibt. So werden diese selbstherrlichen Herren auch immer unglaubwürdiger und immer weniger noch ernst genommen, was auch nach sich zieht, daß ihre Akzeptanz, Achtung und Anerkennug schwindet, ja in den Keller geht. Nicht selten hat man sogar den Eindruck, daß nicht wenige von den amtskirchlichen Herren vielleicht selber nicht mehr wirklich glauben, was sie doch eigentlich vorleben und vertreten sollten.
    Josef Berens (als einfacher, selbst denkender Katholik)

  9. Ferdinand Herold

    ÖKUMENE jetzt, ein Vorhaben, das leider von vielen nicht verstanden wird. Ich habe mich schon zu Anfang in die Liste der Unterzeichner mit eingereiht und stehe voll und ganz dahinter. Es ist eines der drängendsten Peobleme der Gergenwart, wenn wir künftig nicht völlig auf die Weitergabe des Glaubens und den Verlust von Moral, Anständigkeit und Ehrlichkeit verzichten wollen. Doch es bedarf einiger Erläuterungen über die Durchführbarkeit, weil es für viele gute und fromme Christen ein Horrorszenario ist. Und zwar deshalb, weil man sich vorstellt, dass hier alles in einen Topf geworfen werden soll und nach kräftigem Umrühren ein vorbildliches Christentum dabei heraus kommen sollte. Da muss ich den Skeptikern recht geben, das ist kein Lösungsweg.
    Hier müssen wir weiter ausholen. Aus der Sicht „500 Jahre Reformation“ lag es nahe, erst mal die Gräben zwischen Protestanten und Katholiken hier in Deutschland zu beseitigen Doch global gesehen müssen wir nicht nur von zwei, sondern von tausend oder mehr Denominationen ausgehen, die unter „einen Hut“ zu bringen wären. Unter diesem Gesichtspunkt kann man nur so vorgehen, dass man allen Gruppierungen, die Willens sind Gemeinsamkeit zu finden, zunächst mal ihre Eigenständigkeit, ihre Identität belässt. Dass man trennende Gräben einebnet und trennende Mauern niederlegt und ein gegenseitiges Vertrauen und Verständnis füreinander aufbringt. So wie Wandergruppen von vielen verschiedenen Orten ausgehend ein gemeinsames Ziel erreichen. Dann wird sich herausstellen, welche Gruppen am glaubwürdigsten sind und einige Wege würden vielleicht schon vor dem Ziel zusammenführen. Aber warum nicht auch viele Wege? Ich kann mich an eine Frage von August Everding+ an Josef Ratzinger im Vatikan erinnern, Zitat: „Wieviele Wege gibt es zu Gott?“, Antwort: „So viele wie es Menschen gibt!“ (wurde s.Zt. im Fernsehen übertragen). Allerdings kann die Initiative für ein Zusammengehen nur von unten, von der Basis aus verwirklicht werden. Jörg Zink hatte es vor Jahrzehnten schon so ausgedrückt: „Wenn wir erwarten, dass die Kirchenoberen die Ökumene herbeiführen, dann müssen wir warten bis zum jüngsten Tag“ – wobei erschwerend ins Gewicht fällt, dass unsere, mit honorigen Titeln ausgestatteten alten Herren im Vatikan (fast) nur mit sich selbt und den innerbetrieblichen Schwierigkeiten beschäftigt sind – Gianluigi Nuzzi lässt grüßen! Von den Sorgen und Nöten des Kirchenvolkes ist man dort jedenfalls meilenweit entfernt. Ein Papst, der den weltlichen Regierenden ein „hörendes Herz“ empfiehlt (Erfurter Rede 2011), aber selbst jeglichen Dialog mit denen da unten strikt verweigert, kann man nicht so ernst nehmen, wie er sich das eigentlich wünschen würde. Soweit es uns aus den Evangelien bekannt ist, hatte Jesus stets auf Augenhöhe ein offenes Ohr auch für die kleinen Leute und immer eine klare Antwort (nicht vergleichbar mit kirchenamtlichen / kirchenrechtlichen Verlautbarungen)!
    Ich sehe hier ein gro0es Potenzial, dass beim Finden begehbarer und realisierbarer Wege noch viele Mitunterzeichner gewonnen werden können.
    Bei der Durchsicht einiger Kommentare bei „kreuz-und-quer.de“ stellte ich fest, dass so manche Wortklaubereien um Randprobleme total am eigentlichen Anliegen, dem Kern der Sache vorbeigehen. Schade.

  10. Der Aufruf ist ein löbliches Unterfangen, aber es fehlen – jedenfalls bis jetzt – klar definierte (Etappen-) Ziele, Inhalte.
    Es genügt nicht, die Zerrissenheit des Christentums zu beklagen, ohne Wege zu ihrer Überwindung aufzuzeigen. Zum Beispiel dürfte es sinnvoll sein, die bestehenden konfessionsübergreifenden Organisationen vonvornherein einzubeziehen und auf ein gemeinsames Manifest einzuschwören. Jedenfalls wäre es zu wenig und nicht zielführend, wenn jeder für sich in seinem Kreise ökumenisch aktiv werden würde, zumaldas schon jetzt vielfach geschieht. Es führen zwar viele Wege – auch Umwege – nach Rom, aber da wollen wir ja gar nicht hin. Vielmehr müssen
    wir ein „neues Rom“ definieren und dieses mit allen Mittel ansteuern.
    Es gibt ja längst einen Ökumenischen Kirchentag: Dieses Forum könnte man nutzen, um dort das erwähnte Manifest zu verabschieden, mit dem sich dann jeder Teilnehmer werbend ‚unter das Volk‘ begibt.
    Diese ökumenische Idee lebe ich – evangelischer Christ – als Ritter des (ökumenischen) internationalen Militärischen und Hospitalischen Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem, dessen Ziel ebenfalls (u.a.) die Einheit der Kirche ist, schon seit längerem. Aber das ist zu wenig und dauert schon zu lange – es sei denn, alle Unterzeichner des Aufrufes „Ökumene jetzt“ würden hier Mitglied werden und dem Orden eine neue Dynamik verleihen, vielleicht sogar ein neues Gesicht geben.
    Es wäre schön, wenn der Aufruf kein Strohfeuer wäre und eine nachhaltige Resonanz erführe. In diesem Sinne fände ich es wünscheswert, wenn Sie über die weitere Entwicklung regelmäßig berichteten.

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