Kurzmitteilung

Missbrauch: Kirchenleitung muss Verantwortung übernehmen!

Eine Initiative katholischer Laien hat am 15. November 2019 einen Aufruf veröffentlicht, der sich gegen eine steuerliche Haftung der Laien in der Missbrauchsfrage wendet und von den Bischöfen fordert, dass sie sich zu ihrer eigenen Verantwortung bekennen. Die 19 Erstunterzeichner werben um Unterstützung für einen entsprechenden Brief an die Deutsche Bischofskonferenz.

Sie können den Aufruf „Missbrauch: Kirchenleitung muss Verantwortung übernehmen“ hier ausdrucken.

Katholische Laien fordern:
Bischöfe sollen sich zur eigenen Verantwortung bekennen

Aufruf gegen steuerliche Haftung der Laien für kirchliches Leitungsversagen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, hat 10. November 2019 die Auffassung geäußert, alle Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht, über ihre Kirchensteuer die Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer mitzufinanzieren. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hat zu Recht vor diesem Weg gewarnt.

Solange Priester und Bischöfe sich für ihr Handeln nicht gegenüber dem Kirchenvolk verantworten müssen, haften die Laien nicht für Verfehlungen der Kirchenleitung. Die Solidarität des Kirchenvolks gilt vielmehr den Opfern, die endlich ein klares Bekenntnis der Kirchenleitung zur eigenen Verantwortung erwarten. Deshalb hat sich eine Initiative katholischer Laien entschlossen, ihre Ablehnung der Überlegungen von Bischof Ackermann in einem Brief an die Bischofskonferenz zum Ausdruck zu bringen. Sie laden ihre katholischen Mitchristen dazu ein, diesen Appell zu unterstützen.

Im Folgenden wird der Brief mit den Erstunterzeichnern dokumentiert.
Wer sich dem anschließen will, kann dies durch eine E-Mail an die Adresse mertes-rembser@web.de tun.

Aufruf

Missbrauch: Kirchenleitung muss
Verantwortung übernehmen!

An die Deutsche Bischofskonferenz

Sehr geehrte Herren Bischöfe!

Am 10. November 2019 erklärte Ihr Missbrauchsbeauftragter, Bischof Stephan Ackermann, er sehe zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln „keine Alternative“, auch wenn es vielen Gläubigen widerstrebe, für „Verfehlungen einzelner Geistlicher“ einzustehen. Die Kirchenmitglieder seien als „Solidargemeinschaft“ in der Pflicht.

Dieser Auffassung widersprechen wir mit allem Nachdruck.

Wir halten es für eine selbstverständliche Pflicht der Kirchenleitung, Sorge dafür zu tragen, dass Menschen, denen Kleriker sexuelle Gewalt angetan haben, angemessen entschädigt werden. Zugleich streiten wir der Kirchenleitung das Recht ab, die Kirchensteuerzahler zur Finanzierung solcher Entschädigungsleistungen heranzuziehen. Das wäre ein Frontalangriff auf die Legitimität des geltenden Kirchensteuersystems.

Wir erwarten von unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, endlich ein öffentliches Bekenntnis zur eigenen Verantwortung abzulegen. Dazu gehört ein zeichenhafter Beitrag, der darin bestehen könnte, dass alle amtierenden und emeritierten deutschen Bischöfe eine Zeitlang einen Teil ihres Gehalts und ihrer Pension in einen Entschädigungsfonds für kirchliche Missbrauchsopfer einzahlen.

Wir vermissen bei unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, ohne relativierende Floskeln Verantwortung für eigenes Versagen zu übernehmen. Von jedem Politiker, in dessen Amtsbereich erhebliche Missstände auftreten, wird zu Recht erwartet, dass er sich – auch ohne persönliche Schuld – seiner „politischen Verantwortung“ stellt und zurücktritt. Es fällt auf, dass unsere Kirchenleitung diesen hohen ethischen Standard gegen sich selbst nicht gelten lässt.

In der Katholischen Kirche hat ein System struktureller Verantwortungslosigkeit die Verbrechen von Klerikern begünstigt. Während wir als Bürger eines demokratischen Rechtsstaats politische und juristische Möglichkeiten haben, gegen Machtmissbrauch vorzugehen, sind uns als Gläubigen solche Wege gegenüber der Kirchenleitung nach wie vor versperrt. Deshalb haften wir auch nicht für das Fehlverhalten der kirchlichen Obrigkeit.

Diejenigen, die das gegenwärtige System struktureller Verantwortungslosigkeit gewollt haben und immer noch verteidigen, dürfen die Folgen ihres eigenen Tuns und Lassens nicht auf Unbeteiligte abwälzen. Wir fordern sie auf, mit Anstand und Würde die Konsequenzen selbst zu tragen.

Mit freundlichen Grüßen

Erstunterzeichner:

Susanne Benarey , Franz Josef Bösing, Roswitha Cordes, Dr. Stephan Eisel, Ruth Guntram, Dr. Ulrich Guntram, Karin Mertens, Michael Mertes, Susanne Niedermeyr-Vogt, Elisabeth Pitsch, Barbara Rembser-Mertes, Gabriele van de Sand, Dr. Klemens van de Sand, Dr. Klaus Sandführ, Dr. Ute Sandführ, Dr. Martin Utsch, Dr. Anselm Verbeek, Margret Verbeek, Bernhard Vogt

Verantwortliche Initiatoren:
Michael Mertes | Barbara Rembser-Mertes | Dr. Stephan Eisel
E-Mail:
mertes-rembser@gmx.de
Postanschrift: Oberer Girzenweg 7 | 53343 Wachtberg

17 Antworten zu “Missbrauch: Kirchenleitung muss Verantwortung übernehmen!

  1. Es liest sich ja so einfach, Missbrauchsopfer der Kirche, ja was ist das überhaupt?
    Was kann da schon schlimmes passiert sein?
    Soooo schlimm wird’s schon nicht gewesen sein!
    Nein – so schlimm war es nicht – ES WAR NOCH VIEL SCHLIMMER!
    Unvorstellbar schlimm für alle, die es nicht am eigenen Leib spüren mussten,
    Tagaus Tagein waren wir diesen Monstern der Kirche ausgeliefert,
    und – wir waren doch nur Kinder!!!!
    Spätestens seit 2008, als die Missbrauchsfälle aufkamen, wurden alle Katholiken, die jetzt so
    Moralisch für die Verwendung der Kirchensteuer kämpfen, zu Mitwissern und durch Ihr Schweigen zu „Helfershelfer“ der Kirchlichen Täter, die ja Anfangs versuchten, alles klein zu reden oder gar zu vertuschen!
    NEIN, niemand von Ihnen hat ein Recht uns Opfern diese Entschädigung zu verweigern,
    1. –wo bleibt da bei Euch die vielgerühmte „Christenplicht“ den Opfern gegenüber!
    2. -wo war euer Aufschrei, als wir Opfer nochmals gedemütigt wurden, bei den „Verhören“ und den Versuchen, unser Leid zu erklären?
    3. –wo war euer Aufschrei, als die katholischen Bischöfe Kirchengelder verwendeten, um Schiffe im Mittelmeer zu kaufen oder zu unterstützen?
    4. –wo war euer Aufschrei, als Kirchengelder benutzt wurden, (150.000€) um die Geburtstagsfeier des Papstbruder Georg Ranzinger zu feiern? Oder als der Ex-Bischof von Passau, seine wunderschöne Villa in Altötting für über 500.000 € verschönern ließ im Stile eine „Tebartz von elst“ und und und…
    Nichts war zu hören, von eurer Empörung, von Pater Mertens kann ich den Einwand ja noch verstehen, er kämpft natürlich für seinen Orden, die Jesuiten, die schlimmsten unter den katholischen Orden überhaupt, natürlich will er verhindern, dass sein Orden zu Zahlungen herangezogen wird!
    Vielleicht können diese „ach so hoch-moralischen“ Gutmenschen-Katholiken einfach mal ihre
    Wichtigtuerei zur Seite legen und uns Opfern (deren Leben total zerstört ist, mein Bruder hat sich den Qualen nur noch mit dem Tode entziehen können) einfach nur zumindest jetzt ein sorgenfreies Altern zugestehen, denn ein neues, normales Leben könnt ihr uns wahrscheinlich
    Nicht zurückgeben!

    • Das Schreiben befürwortet nachdrücklich die Pflicht der Kirchenleitung, sich endlich ihrer Verantwortung zu stellen und für Anerkennungsleistungen und angemessene Entschädigungen zu sorgen. Es kritisiert eine Kirchenverfassung, die der strukturellen Verantwortungslosigkeit der Kirchenleitung Vorschub leistet und damit auch Missbrauch (sexualisierte Gewalt, Machmissbrauch ganz allgemein) ermöglicht. Das ist Solidarität mit den Opfern. Es stellt die Verhältnisse auf den Kopf, wenn jetzt die Laien aufgefordert werden, mit der Kirchenleitung solidarisch zu sein. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Ich begrüße es sehr, dass das ZdK sich in dieser Frage gestern eindeutig positioniert hat, siehe https://www.deutschlandfunk.de/missbrauch-laien-gegen-opfer-entschaedigung-aus.1939.de.html?drn:news_id=1072731.

  2. Entschädigungszahlungen für Körperverletzungen – also eine Buße für eine kriminelle Tat – kann keine ausdrücklich „kirchliche“ Aufgabe sein, für die die Kirchensteuer herangezogen werden darf. Die ist primär von den Tätern zu leisten, resp. von jenen, welche die Täter gedeckt haben.
    Nachdem in unserer Kirche klar ist, wer das sagen hat (Klerus) und wer sich alles sagen lassen muss (Laien) dazu Täter und Beschützer ausschließlich Kleriker sind, soll diese Gruppe für die Finanzierung aufkommen, am besten über eine Stiftung, die durch eine monatliche Umlage von, sagen wr mal 10% des monatlichen Bruttos, auf Dauer für diese Taten Bußgelder zahlt. Diese Boysgroup hält doch sonst auch zusammen wie Pech und Schwefel.
    Josef Keiner

  3. Sehr geehrter Herr Mertes,
    ich persönlich kann diese Diskussion nicht ganz nachvollziehen. Hier wird nicht über die Belange der Missbrauchs-Opfer gesprochen, sondern „Wie können wir die unverschämten Forderungen der Missbrauchs-Opfer abwehren!!!
    Eine große Empörung nach Bekanntwerden der geforderten Entschädigungszahlungen aus den Einnahmen der Kirchensteuer hat es bisher aus meiner Sicht in der Bevölkerung nicht gegeben.
    Auch in meinem persönlichen Umfeld konnte ich solch einen Aufschrei nicht vernehmen. Im Gegenteil!!: Hier erfahre ich ausschließlich nur positive Rückmeldungen und Akzeptanz.!!!
    Eine große Empörung und der verzweifelte Aufschrei kommen ausschließlich und alleine von dem Jesuiten Pater Klaus Mertens und von dem ,ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg.
    Und wenn dann ein Jesuiten Pater Klaus Mertens von strategischen Fehlern spricht, drehen sich bei mir die Nacken-Haare.
    Befindet sich die Kirche mit den Opfern auf einem Schlachtfeld und sucht nach einer Strategie um die Schlacht für sich zu entscheiden??

    Auch der EKD meint nun,sich auch dazu äußern zu müssen, da sie befürchten, dass es genau so ekelhaft in ihren Einrichtungen ablief und erhebliche Forderungen auf sie zukommen könnten.
    Die Kritik an Herrn Stephan Ackermann kann ich auch dahin gehend nicht nachvollziehen, da es noch nie zur Diskussion stand, wie die eingenommenen Steuereinnahmen eingesetzt werden.
    Sie sind dem Steuerzahler gegenüber, „über die Höhe der Steuereinnahmen und Verwendung nicht Rechenschaft verpflichtet.

    Wie Sie wissen, finanzierten sich die kirchlichen Landesherren , indem sie von Grundbesitzern ein Zehntel ihrer Ernten und Einnahmen abkassierten und wie Raubritter durchs Land zogen und den Menschen ihr Hab und Gut raubten.(Ablass)
    Nachdem diese „Zehntpflichten“ infolge der Französischen Revolution abgeschafft wurde, und alle Kirchengüter beschlagnahmt und die Kirchen ihre wichtigsten Einnahmequelle verloren hatten, boten die weltlichen Herrscher ihnen als Entschädigung ein Besteuerungsrecht an. Dieses Tauschgeschäft fand ihren Weg in die Weimarer Reichsverfassung und schließlich auch ins Grundgesetz. Das war für die kath Kirche der größte Segen!!. „Wir haben es hier also mit einer Spätfolge der Säkularisierung von 1803 zu tun. Diese Entschädigungs-Zahlung erhalten sie bis zum heutigen Tag, „die heutige so genannte Kirchensteuer.
    Auf diese Steuereinnahmen wollen und werden die Kirchen nicht verzichten.
    Bei der ganzen Diskussion geht es der Kirche nur darum, weitgehend ohne Verlust von Ansehen und Geldverlust sich ihrer Verantwortung zu entziehen.

    Es werden Therapien für traumatisierte Menschen von der Kirche angeboten, die schon immer durch Beiträge der Kranken-versicherten abgedeckt und gestemmt werden.
    Hierfür Bedarf es von der Kirche keine Hilfe mehr und wird auch eher als
    Abwehrverhalten gewertet
    Die beruflichen Biographien der Missbrauchs-Opfer stehen hier zur Debatte und sollten auch ganz Oben anstehen bei der Diskussion „wie bereits von dem Missbrauchs-beauftragten Mattias Katsch zutreffend dargestellt wurde.
    Der berufliche Schaden lässt sich nicht mehr rekonstruieren aber er dürfte sich in diesem Rahmen von
    500 Euro pro Monat bewegen und sollte auch nicht mehr verhandelbar sein.

    Die Kirche tut gut daran, wenn sie sich mit dem Opfern gütlich einigt und sich die Wut und Enttäuschung der Kirchenmitgliedern über die Missbräuche und der erhobenen Arroganz legt und sich nicht weiter in den Austritten wiederspiegelt.

    • Sie behaupten, die Initiatoren des Briefs würden von dem Motiv geleitet: „Wie können wir die unverschämten Forderungen der Missbrauchs-Opfer abwehren!!!“ Sie haben den Brief anscheinend nicht gelesen. Wo ist da von „unverschämten Forderungen der Missbrauchs-Opfer“ die Rede? Mit falschen Unterstellungen werden Sie einem so ernsten Thema nicht gerecht.

      • Sehr geehrter Herr Mertes,, natürlich wird sich die Katholische Kirche nicht hinstellen und von unverschämten Forderungen seitens der Opfer sprechen. Aber, „und das ist wohl unbestritten, Sie verwehren sich schon sehr gegen die Forderung, die im Raum steht.. Besonders der Hinweis, dass wenn es zu der Zahlung in benannter Höhe kommen sollte mit erheblichen Austritten aus der kath. Kirche zu rechnen sei.. Ich persönlich sehe hier schon, dass damit ein erheblicher Druck auf die Kirchen-Mitglieder erzeugt wird um ihr Abwehrverhalten zu begründen
        Ich selber habe zu spüren bekommen, wie es sich angefühlt hat vom Erzbistum Paderborn abgefertigt zu werden.. Erst nach Veröffentlichung in der hiesigen Presse, wollten die Verantwortlichen die Anerkennung des Leids anerkennen.Der Druck war ihnen dann doch zu gewaltig. Danach erhielt ich einen empathielosen Anruf „auf welches Konto man mir das Geld zahlen dürfe..Von wirklicher Anteilnahme und Reue für das mir zugefügte Leid war keine Spur erkennbar…Ich brauchte mehr als 3 Monate um mich von diesen Schock zu erholen!!! Für weitere Therapie-Maßnahmen habe ich das Erzbistum dann noch in Anspruch genommen.. Es wurde zwar bezahlt, aber unter dem Hinweis, das es die letzte Zahlung sei…!!!! Auch in 2018/2019 musste ich für therapeutische Maßnahmen über 2700 Eur aufbringen um das mir zugefügte Elend zu verarbeiten..Mein Leben lässt sich nicht mit warmen und daher gesagten Worten verbessern…
        Aber sie werden, wenn Sie es wirklich ernst meinen einen Weg finden, Ich könnte ihnen ja folgenden Vorschlag unterbreiten, der eine Überlegung Wert wäre
        Alle Bistümer verpflichten sich zu einer Solidaritätsabgabe ihrer Priester und Nonnen, wie es im Sinne der Finanzierung von Ostdeutschland durchgeführt wurde. Diese Abgabe wird vom Brutto-Gehalt in noch zu bestimmender Höhe (1,5- 2%) berechnet und bis zum vollständigen Ausgleich der bis zu 1-1,5 Milliarde aus Steuermitteln vorfinanzierten Entschädigung ausgeglichen . So könnten Sie den verbliebenen Kirchen-Mitgliedern und auch weiterhin in die Augen schauen.Nur es sollte auch bald geschehen und nicht noch lange debattiert werden, damit die noch lebenden Opfer es zu Lebzeiten erfahren.

        Hochachtungsvoll Klaus Sohl

  4. Sehr geehrter Herr Mertes und weitere Initiatoren und Mitunterzeichner des offenen Briefes,
    die Wogen gehen hoch, seitdem es in der Missbrauchsdebatte um Geld geht, dazu Geld, dass u.U. aus Kirchensteuermittel entnommen werden soll. Hierzu zunächst folgendes Zitat aus den Empfehlungen einer Arbeitsgruppe an die DBK zum Thema „Entschädigung“:
    „Hinsichtlich des gelegentlich zu hörenden Einwands, für Entschädigungen und die Erstattung von Therapiekosten dürften keine Kirchensteuermittel verwendet werden, ist zu unterscheiden: Es gehört zum Wesen der Kirchensteuer, dass sie für alle kirchlichen Aufgaben verwendet werden darf (siehe auch den exemplarischen, also nicht abschließenden Verweis auf die „eigenen Zwecke“ in can. 1254 § 1 und § 2 CIC/1983).“
    Nachzulesen unter: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/dossiers_2019/2019-09-24_Anerkennung-Empfehlungen-Unabhaengige_Arbeitsgruppe_10.09.2019-final.pdf
    Zeilen 335-341
    Was mich als von sexuellem Missbrauch im Kontext der Katholischen Kirche Betroffener sowohl in ihrem Brief, als auch in der weiteren Diskussion um das Thema sehr verwundert ist die Tatsache, dass sich Mitglieder der Kirche als nichtzuständig für die Verfehlungen und Taten der Kleriker ansehen. Auch wenn das Kirchenvolk die Taten nicht begangen hat, deren Entschädigung gerade in der Diskussion stehen, so sind doch alle zu Mitwissern seit 2010 und spätestens seit Veröffentlichung der MGH Studie im letzten Jahr geworden. Dennoch unterstützen sie alle diese Kirche, die bislang wenig Aufarbeitungswillen und persönliches Eingestehen von Versäumnissen zeigt, Monat für Monat mit ihren Steuerabgaben.
    Würden Sie auch einem Verein beitreten und Beiträge zahlen oder für eine Initiative spenden, der/die eine in Teilen kriminelle Vergangenheit hat wie die Katholische Kirche?
    Ihr Brief lässt mich in diesem Punkt fassungslos zurück.

    Sylvia Witte, 1. Vorsitzende MoJoRed e.V.
    www. https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/

  5. Was Bischof Ackermann mit seinem Vorschlag, die Kirchensteuer zur Finanzierung von Entschädigungen von Mißbrauchsopfern heranzuziehen an Schaden für die Kirche angerichtet hat, wird sich zeigen. Dass er seinen Vorschlag noch damit begründet, dass die Bürger auch für die Kosten der PKW Maut zahlen müßten zeigt, dass der Bischof für sein Amt ungeeignet ist. Er stellt den strafrechtlichen Mißbrauch auf die gleiche Stufe wie die Kosten für die PKW Maut die ein Bundesminister verursacht hat. Was bildet sich dieser Bischof ein? Ist er der absolute Herrscher in seinem Bistum der alleine bestimmt, wie ich mich solidarisch zu verhalten habe?
    Danke für solche Würdenträger.

  6. Hr G. Wittke,
    Wahre Worte, der Sühnegedanke ist von Einigen Unterzeichnern doch ein Stück weit weg. Die Opfer wollen nicht dass Priester, die nichts für Taten können, mit ihrem Gehalt haften. Aber die Kirchensteuer muss dafür herhalten. Wozu ist denn die Kirchensteuer da? Wenn nicht auch für Wiedergutmachung? Sicher nicht zur Bereicherung.

  7. Friedrich Mittenhuber

    Es würde dem Klerikerstand gut anstehen, wenn sich deren Mitglieder an der Wiedergutmachung der Mißbrauchfälle beteiligen würden.

  8. Dr. Augustinus Weber OSB

    Das ist eine berechtigte Initiative, die Unterstützung verdient. Auch nach meiner persönlichen Erfahrung gehört es zum bisherigen strukturellen System der Kirche, dass dann, wenn etwas daneben geht, keiner die Verantwortung übernimmt.

    • Seltsam Herr Dr. Weber,
      UNTERSTÜTZUNG VON IHNEN!
      Verantwortung, das sagen gerade sie, da sich doch hinter ihren Klostermauern der größte Dieb von Kirchengeldern (Tebartz von Elst) von „seinen Sünden“ entledigen darf.
      Ebenso fand mein „Verhör“ über den Missbrauch durch Vertreter des Bistums Regensburg und der Staatsanwaltschaft auch in ihren Klosterräumen statt.

  9. Betrifft Kommentar G. Wittka | 15. November 2019 um 20:52
    Tolle Haltung, Herr Wittka!

  10. Mein Vorschlag:

    Ich wäre als Priester gerne bereit, einen monatlichen Beitrag z.B. von 1-3% meines monatlichen Bruttogehaltes in einen Entschädigungsfond zu zahlen, wenn dieser bundesweit von allen Klerikern (Bischöfe, Priester und Diakone) bedient würde.

    Ich denke, das wäre ein Zeichen, welches anerkennt, dass der sexuelle Missbrauch in der Kirche auch eine strukturelle Dimension hat. Und diese strukturelle Dimension hängt nun einmal wesentlich auch mit der klerikalen Hierarchie in der Kirche zusammen.

    Wie wäre es mal, hier sinnvoll den Sühnegedanken einzubringen?
    Wir sollten als Geistliche nicht nur davon sprechen, wenn es wohlfeil ist, sondern auch dann, wenn es uns (strukturell) selbst betrifft!

    • Ich empfinde Hochachtung für Ihre Haltung und würde es sehr begrüßen, wenn auch andere so dächten! Auch ich als katholischer Laie könnte mir vorstellen, an einen Entschädigungsfonds zu spenden – aus freien Stücken. Die Inititiatoren und Unterzeichner des Briefs befürworten ausdrücklich, dass Missbrauchsopfer angemessen entschädigt werden. Wir wenden uns aber dagegen, dass diejenigen, die für Missbrauch oder missbrauchsbegünstigende Strukturen verantwortlich sind, sich ihrer Verantwortung entziehen.

      Nur ein Bespiel für das, was ich meine: Auf der Pressekonferenz vom 25. September 2018 zur Vorstellung der MHG-Missbrauchsstudie fragte die DLF-Journalistin Christiane Florin (Deutschlandfunk): „Eine Frage noch zur persönlichen Verantwortung. Hier sind jetzt über 60 Bischöfe versammelt, gibt es einen oder zwei, die im Zuge ihrer Beratungen gesagt hätten: Ich habe so viel persönliche Schuld auf mich geladen, ich kann eigentlich diese Verantwortung des Amtes nicht mehr tragen?“ – Kardinal Marx: „Nein.“

      Die aktuelle Debatte legt meines Erachtens die Legitimationsdefizite des deutschen Kirchensteuersystems offen. Diese Kritik wird durch den Hinweis auf die Rechtslage nicht entkräftet: Schlechte Gesetze können durch bessere ersetzt werden! Als Bürgerinnen und Bürger haben wir vielfältige Möglichkeiten, Einfluss auf politische Entscheidungen über die Verwendung unserer Steuern zu nehmen. Als katholische Kirchensteuerzaher haben wir diese Möglichkeiten nicht. Uns bleibt nur der Appell an die Verantwortlichen – kein besonders machtvolles Instrument, aber immerhin. Man könnte den Brief auch als Aufforderung lesen, diesen Zustand zu ändern.

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